Was ist eigentlich mit dem Tintenfleck los?

Hallo liebe Leserinnen und Leser, werte Damen und Herren, liebe Musen, Gewerkschaftsfritzen und Blogkollegen!

Manch einer fragt sich sicher: Was ist denn mit dem Tintenfleck los? Erst fällt er monatelang aus, dann redet er sich raus mit „Hab grad keine Zeit“, reduziert die wöchentlichen Texte von zwei auf eins und fällt prompt schon wieder aus!

Einen Text die Woche wird der Kerl doch wohl schaffen?

Ja, man sollte es meinen – hätte ich jedenfalls gemeint. Leider lief das ganze nicht so, wie geplant. Ein neuer Job hat mehr Zeit beansprucht, als ich dachte, und dann waren im Juli auch noch all diese dunklen Ereignisse in ganz Europa. Da kamen mir meine sonst eher fröhlichen, humorvollen Texte doch etwas deplatziert vor und traurige wollte ich vor dem Hintergrund aber auch keine schreiben. Ich gestehe, mir fiel in dem Moment auch nix mehr ein.
Und dann war da noch diese andere Sache. Ihr erinnert euch bestimmt daran, dass ich von zwei auf nur einen Text die Woche reduziert habe, weil ich wieder mehr Zeit für andere Projekte haben wollte. Eines dieser anderen Projekte mit dem Code-Namen „#Projekt24“ ist im Juni/Juli angelaufen und hat mich prompt überrollt. Twitter-Follower haben sicherlich mitgekriegt, dass ich eifrig Unsinn unter diesem Hashtag twittere

Jedenfalls entwickelt sich #Projekt24 in eine sehr spannende Richtung, ich bin sehr begeistert und hoffe, dass ich da bald etwas aus dem Nähkästchen plaudern und euch gebührend informieren kann. Seid gespannt – ich bin es jedenfalls.

Und last but not least muss ich auch zugeben, dass ich völlig selbstlos und spontan in den Urlaub gefahren bin, genauer gesagt nach Sorico am Comosee. Sollte sich jemals jemand dorthin verirren, ich empfehle den Besuch der Forte di Fuentes! Vielleicht kann ich ja später mal auf Facebook ein Bild posten … long story short: Neben all dem Faulenzen, Erholen, Schlafen und Sonnenbaden blieb mir leider auch da keine Zeit, Texte zu schreiben. Kann ganz schön viel Zeit in Anspruch nehmen, so ein Urlaub. Einen kleinen Einblick gibt jedenfalls das gestrige Urlaubs-Tanka ;-)

Aber jetzt bin ich wieder zurück, voller Tatendrang und mit vielen Ideen. Nicht alle davon drehen sich um Geschichten für den Blog, aber auch bei dem tut sich vieles hinter den Kulissen und die eine oder andere Textidee habe ich auch. Auch dazu bald mehr.

Ich hoffe, ihr hattet bisher einen schönen Sommer.

Florian

 

Nicht alles für die Liebe

Brun liebte es, wenn ihr der Wind hoch oben über das Gesicht strich und die Haare zauste. Vorsichtig balancierte sie auf der Mauer entlang, stieg über die verräterischen, rutschigen Ansammlungen von Moos und Flechten hinweg und lauschte dem Pfeifen des Windes und der Vögel.
Auf der ganzen Welt gab es keinen schöneren Ort. Keine bessere Aussicht: Hier konnte sie das ganze Reich ihres Vaters sehen. Das kleine Dorf vor der Burg, der große Schattenwald dahinter, das Rasende Wasser in der Ferne und den Dampf, der von den Steinernen Fällen aufstieg. Sogar das Tosen des hinabstürzenden Wassers konnte sie hier hören, der Wind trug es über viele Meilen hierher, hinauf zu ihr auf die Mauer.
Ihre Mutter verstand das nicht. „Brunhilde, klettere nicht immer so hoch hinauf! Eines Tages stürzt du noch ab!“, pflegte sie zu sagen. Wenn sie sie erwischte, bekam Brun immer Stubenarrest …
Sie erreichte das Ende der Mauer. Vor ihr ragte kalt die Außenwand des Bergfrieds auf. Für jeden Feind unüberwindbar. Ihr Großvater hatte ihr erzählt, dass einst, zur Zeit der ersten Menschen, die Elfen selbst den großen Turm aus Stein hatten wachsen lassen.
Brun glaubte nicht daran. Der Turm hatte die selben Ritzen, Fugen und Kanten wie die Mauer. Die selben sicheren Plätze für ihre kleinen Finger und Zehen.
Sie warf einen Blick nach unten. Weit, weit unter ihr im Hof übten die Männer ihres Vaters gemeinsam mit den Männern des Großkönigs, der sie mit einem seiner seltenen Besuchen beehrte – das ganze Schloss war deswegen in Aufregung, nur hier oben, hier herrschte Ruhe.
Brun konnte die großen Ritter aus den Liedern erkennen, den ehrenwerten Hollar Grünmantel, den schnellen Raffzahn-Ralf, der sich einst mit drei Truhen voll Gold auf der Schulter ein Rennen mit Drachen geliefert hatte und den furchtlosen Elias von Wolkenbruch.
Brun widerstand den Drang, dem alten Aaron von Ostwald einen Klumpen Rotz auf die Haare tropfen zu lassen und presste sich an die Wand. Flink wie ein Wiesel tanzte sie an der Mauer entlang, stieg höher, immer höher, bis sie das Fenster des Turmzimmers erreichte.
Brun hielt inne, als Stimmen an ihr Ohr drangen.
„Bruder, nicht …“ Die Stimme einer Frau.
Eine andere Stimme kicherte verhalten. „Ach, wer soll uns denn schon sehen?“
Brun tastete langsam mit den Händen zum Fenstersims, zog sich nach oben – und verkniff sich einen Schrei der Überraschung.
Auf dem großen Himmelbett, dessen Bemalung die Taten des großen Sir Ronald von Hasenpforte zeigte, lagen eine Frau und ein Mann.
Beide waren nackt und der Mann lag auf der Frau – sie keuchte, stöhnte, schrie, während der Mann vor Aufregung grunzte.
Verwirrt sah Brun den beiden zu. Er schien der Frau weh zu tun! Sollte sie eingreifen? Was hätte Ronald von Hasenpforte getan?
Wie sie noch überlegte, merkte sie, wie ihr Bein vor Anstrengung zu zittern begann. Brun versuchte, ihr Gewicht zu verlagern, rutschte ab – unwillkürlich stieß sie einen Schrei aus. Mit beiden Händen klammerte sich Brun an das Fensterbrett.
„Bruder, da …“, hörte sie die Frau.
Eine starke, behaarte Hand packte Brun am Unterarm und zog sie hoch.
Vor ihr tauchte das Gesicht des Mannes auf, Brun sah direkt in seine grünen Augen, sah, wie er sich mit der anderen Hand lässig eine Haarsträhne aus dem Gesicht wischte und grinste.
„Was tut man nicht alles für die Liebe …“
Und er ließ sie los. Brun fiel, erst langsam, dann immer schneller, als die Schwerkraft von ihr Besitz ergriff. Der Boden kam näher, immer näher … Heller Schmerz und Dunkelheit hüllten sie ein.|

Nein. Ich kann das nicht.

Und er ließ sie los. Brun fiel, erst langsam, dann immer schneller, als die Schwerkraft von ihr Besitz ergriff. Der Boden kam näher, immer näher … Heller Schmerz und |
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Und er ließ sie los. Brun |
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Und mit Schwung zog er sie zu sich ins Zimmer. Brun landete hart auf ihren Knien. Tränen stiegen ihr in die Augen. Die Frau hatte sich in eine Decke gehüllt, der Mann hockte sich nackt neben sie. „Hör zu Kleine, du darfst niemandem sagen, was du hier gesehen hast, ja?“
Brun nickte unsicher.
„Sonst sage ich deiner Mutter, dass du hier gefährliche Kletterspiele spielst.“ Der Mann zwinkerte. „Die holde Lady Catrin wäre sicher nicht sehr erfreut …“
Brun schüttelte den Kopf.
„Also bleibt das unter uns?“
Brun nickte.
„Dann los, lauf!“ Er öffnete Brun die Tür und sie schlüpfte hinaus, so schnell sie konnte.|

Leinen los

Conrad saß auf der kleinen Bank, oben auf der Klippe. Er atmete tief ein, roch das Meer unter sich, spürte die frische Brise auf seiner Haut. Unten am Hafen entrollten sich soeben die Segel an einer stolzen Galeone, die zu neuen Abenteuern in See stach. Ja, hier war der perfekte Ort. In ihm regte sich der Drang, zog ihn zum Papier. Er tunkte den Federkiel in das kleine Tintenfässchen, glättete den Bogen Papier und begann …

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

Wie eins in den Winden.
sich wölbt und bewegt,
wird auch das Empfinden
des andern erregt.

Begehrt eins zu rasten,
Das andre geht schnell,
so …

„Hey!“ Fassungslos starrte er hinunter auf die Bucht, wo der Wind eben noch seine perfekte Paarmetapher geküsst hatte, reichte soeben eines der Segel die Scheidung ein und flog davon …

 


Dieser Text entstand unter Verwendung des Gedichtes „Zwei Segel“ von Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898). Das Originalgedicht findet sich hier.