Bei ihm

Helles Licht drang durch ihre Augenlider und blendete sie. Für ein paar Sekunden versuchte sie, die Helligkeit zu ignorieren, aber die Sonne war unerbittlich. Sie hatte sie geweckt. Widerwillig rieb Laura sich die Augen und setzte sich auf. In ihrem Kopf schien jemand Bongos zu spielen und der Raum schien zu ihrem Rhythmus zu tanzen.

Stöhnend griff sie sich an den Stirn und versuchte angestrengt, die Quelle des störenden Lichtes zu fokussieren: Das Fenster, dessen rote Vorhänge schuldlos, vielleicht sogar hämisch ordentlich neben ihm hingen und den Blick auf die Zweige eines grünen Ahornbaumes und ein über die Äste huschendes Eichhörnchen offenbarten. Laura murrte verzweifelt. Der Bongo-Spieler schien zu einem erneuten Solo anzusetzen. Was hatte sie sich dabei gedacht, sich schlafen zu legen ohne ihre blauen Vorhänge zu schließen? Sie hätten das Sonnenlicht problemlos abgehalten.

Laura schalt sich eine dumme Kuh und rang mit sich selbst. Es wäre besser, aufzustehen. Sie hatte keine Ahnung, wie spät es war, da ihr Radiowecker aus irgendeinem Grund nicht mehr auf dem Nachtkästchen stand. Hatte sie sich heute nicht mit Freunden verabredet? Interessiert betrachtete sie das Eichhörnchen mit seinem fuchsroten Fell und den kleinen, aber starken Armen, die sich mühelos am Stamm des Baumes festhielten. Es war ihr nie zuvor aufgefallen. Ebenso wenig wie der Baum…

Sie sog scharf Luft durch ihre Zähne ein. Das war nicht ihr Blick durchs Fenster. Und auch nicht ihr Fenster – ihre Vorhänge waren blau, diese hier rot. Wo war sie? Schlagartig wurde ihr bewusst, dass sie nackt war, nur eine dünne Decke über dem Körper. Sie spürte eine wohlige Wärme am Po und drehte sich langsam um: Neben ihr lag ein unrasierter Kerl, der gerade genüsslich eine Ecke des Kissens voll sabberte, das er umklammert hielt.

Verdammt. Langsam kamen die Ereignisse der letzten Nacht wieder – sie hatte es übertrieben, eindeutig übertrieben. Sie war mehr als eine dumme Kuh… Vorsichtig schwang sie ihre Beine aus dem Bett und stand auf. Sollte sie einfach gehen? Oder sollte sie ihn wecken? Fröstelnd rieb sie sich über die Arme. Wo waren ihre Klamotten? Im Zimmer herrschte das reinste Chaos… ihre Eroberung schien nicht viel von Ordnung zu halten…

Vom Bett kam ein leises Grunzen. Laura wirbelte erschrocken herum, zwei helle braune Augen starrten sie erstaunt an. Sie unterdrückte den Impuls, mit den Händen zu verbergen, was er ohnehin schon gesehen hatte…

Nach einem endlosen Blickduell rang er sich schließlich dazu durch, etwas zu sagen: „Wer zum Geier bist du und was machst du in meiner Wohnung?“

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6 Kommentare zu “Bei ihm

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