Geknechtet

da
da ist sie
allein mein
sie spricht
singt
spinnt
ohne End
ich höre
lausche
schlucke
ohne End
ohne Erbarmen
ich schreibe
dichte
gestärkt
getrieben
gezwungen
vom Singsang
ohne Komma
Punkt
Absatz

Ende

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High Noon

Die Sonne brannte mörderisch vom Himmel und verwandelte die Welt in einen glühenden Backofen. Der Vormittag war dahin, die Schatten wurden kürzer.
Alles war ruhig in N. – niemand setzte sich freiwillig der sengenden Hitze aus. Die Menschen blieben zu Hause, legten sich nach einem kärglichen Mittagessen hin oder vertrieben sich beim Kartenspiel im Saloon die Zeit.
Nur ein dicker Mexikaner saß am Straßenrand und döste, vor der Sonne durch seinen Sombrero geschützt.
Ein einsamer Hund tappte ziellos über die Hauptstraße, schnüffelte an Tonnen mit Abfall und markierte sein Revier.
„Ei, Carramba!“, rief der Mexikaner, als der Hund ihn bepinkelte.

Irrealis

Da saß er, gehüllt in ein zerknittertes Hemd, im Licht einer kleinen Lampe über den Schreibtisch gebeugt. Heerscharen von Schattenmonstern tollten über die Wand, während er verbissen schrieb.
Genau so, wie sie ihn zurückgelassen hatte.
Mal hielt er inne, kratzte sich am Kinn, fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Rieb sich die Nase und schmierte sich dabei blaue Tinte ins Gesicht. Sie sah, wie er den Kopf schüttelte, und sofort wieder durchstrich, was er geschrieben hatte. Wie er das Blatt herausriss, zerknüllte und achtlos hinter sich warf. Sie hörte ihn fluchen, schimpfen. Ihren Namen rufen.
Sie unterdrückte ein Seufzen, trat näher. „Kann ich dir helfen?“
Wie vom Blitz getroffen wirbelte er herum und sprang auf. „Du!“, rief er, die Hände zu Fäusten geballt.
„Ich?“ Seelenruhig wartete sie ab, rührte sich nicht, Neugier in ihrem Blick, keine Spur von Angst.
„Wo warst du?“ Seine Stimme zitterte, überschlug sich beinahe. „Vor Tagen schon habe ich dich gerufen! Vor Tagen!!!! Und deine Antwort? Nichts. Kein Sterbenswörtchen! Hast getan, als gäbe es mich nicht!“
„Jetzt bin ich ja da.“
Er lachte. Künstlich, ohne Freude, triefend vor Gram. „Ja, jetzt.“ Seine Augen verengten sich zu schlitzen. „Gib’s zu, du warst bei einem anderen!“
Sie schüttelte den Kopf. „Selbst wenn es so wäre, was täte es zur Sache? Nun gehöre ich nur noch dir.“
„Ich will dich nicht mehr!“, schrie er, „Geh zurück zu dem Anderen! Lass mich in Frieden!“
„Nein.“, sagte sie einfach.
„Doch! Ich weigere mich! Keine Zeile werde ich schreiben! Ich streike! Hörst du? ICH STREIKE!“
Sie lächelte, ging auf ihn zu und versiegelte seinen Mund mit ihren Lippen. Wie vom Donner gerührt stand er da, bis sie sich endlich wieder von ihm löste. Er spürte ihren Atem in seinem Ohr, als sie flüsterte: „Und doch hast du gerade diese Szene niedergeschrieben.“
Verdammt.

Tim der Troll II

Tim der Troll von Ogerwahn
rief ganz erbost das Postamt an.
Seit Tagen krieg er keine Briefe mehr,
das störe ihn nun wirklich sehr.

Der Postmann war die Ruhe in Person,
das Problem, das löst man schon.
Man bemühe sich auch wirklich sehr,
und stelle gleich Verbindung her.

Nach endlos langem Warten
– Tim goss derweil den Garten –
war der Zuständige dann auch bereit
und nahm für Tim sich Zeit.

Er schildert das Problem erneut,
was er sogleich dann auch bereut.
Denn der Mann weiß auch nicht mehr
und stellte gleich Verbindung her.

So landet Tim beim nächsten Mann,
der ihm wirklich helfen kann.
Das Problem, das kenne er
und stelle gleich Verbindung her.

Es meldete sich der erste Mann,
der erneut über das Problem nachsann.
Helfen konnt er wieder nicht,
Tim die Leitung unterbricht.

So hatte Tim der große Troll
von der Post die Nase voll.
Tags darauf zündet von Ogerwahn
ganz erbost das Postamt an.

Kein Kind mehr

Wie konnte sie das wagen! Diese elende Schlampe! Zornig schlug Matt die Autotür zu und steckte mit zitternden Fingern den Schlüssel ins Zündschloss. Der Motor begrüßte ihn mit einem freudigen Schnurren und heulte begeistert auf, als er aufs Gaspedal drückte. Wofür hielt sie ihn? Für ein Kind? Er war alt genug, um auf sich selbst aufzupassen! Er wusste, was er sich zumuten konnte! Er war erwachsen. Er brauchte keinen Babysitter, brauchte keine dahergelaufene Tussi, die ihn bemutterte. Er war sich seiner Verantwortung sehr wohl bewusst. Aber nein, sie wusste ja alles besser!
„Du hast zu viel getrunken!“
Pah. Er hatte nur mit Onkel Tom angestoßen. Und mit Olivia. Außerdem hatte er die Einladung, Georges selbst gebrannte Schnäpse zu probieren, nun wirklich nicht ausschlagen können. Wie hätte denn das ausgesehen? Als wäre er undankbar und verwöhnt.
„Gib mir die Autoschlüssel, Matt.“ Wie ein kleines Kind hatte sie ihn aussehen lassen. Blöde Schnepfe…. sollte sie doch selbst sehen, wie sie nach Hause kam! Das lag nun wirklich nicht mehr in seiner Verantwortung, sollte sie doch sehen, was sie davon hatte….
Als er auf die Landstraße einbog, schnitt ihm plötzlich von rechts ein Baum den Weg ab.