Adventskalender 2014: Türchen 19

„Dorothea?“ Laura schob vorsichtig die Tür zu ihrem Zimmer auf.
„Ja?“ Dorothea hockte auf dem Boden und blickte fragend zu ihr auf – aus einer Pose, über die Laura lieber nicht so genau nachdachte.
„Ich wollte ein wenig backen – Zimtsterne, Nussecken und so. Weihnachtskekse“, druckste sie herum.
Dorothea nickte bedächtig. „Klingt nach einer guten Idee – ist ja bald Weihnachten.“
„Ja.“ Laura holte tief Luft. „Ich wollte fragen, ob du vielleicht Lust hast, mitzubacken?“
Dorothea sah sie verwirrt an, dann hellte sich ihre Miene auf. „Ja, klar.“ Sie lächelte. „Ich mache nur noch schnell meine Yoga-Übungen zu Ende. In ein paar Minuten bin ich bei dir.“
„In Ordnung.“
Laura zog die Tür zu und ging in die Küche. Eine Woge der Erleichterung durchlief sie, gefolgt von Nervosität. Seit jenem denkwürdigen Abend war sie nicht mehr mit Jochens Mutter alleine gewesen. Hoffentlich blamierte sie sich nicht und machte alles falsch. Nicht schon wieder…
Sie war gerade dabei, die Zutaten zusammenzusuchen und das Rezept zu studieren, als Dorothea hereinkam. „Wie kann ich dir helfen?“, fragte sie fröhlich.
„Mal sehen…“ Laura runzelte die Stirn und überflog noch einmal das Rezept. „Könntest du schon mal die Eier teilen?“
„Okay.“ Dorothea schnappte sich Schüssel und Eier.
Um nicht untätig herumzustehen, machte Laura sich daran, Mehl abzumessen. Als sie sich zu Dorothea umdrehte, zermatschte diese gerade ein Ei.
„Hoppla.“ Sie lächelte entschuldigend. Den Spuren auf dem Tisch nach zu urteilen war es nicht das erste. „Bin etwas aus der Übung…“
Laura lachte und half ihr.
Entgegen ihrer Befürchtungen war nicht sie es, die sich blamierte – und nach anfänglichen Problemchen arbeiteten Dorothea und sie erstaunlich gut zusammen. Sie kneteten Teig, füllten Förmchen, verzierten Kekse und sangen fröhlich bei Refrains auf dem Oldie-Sänger mit.
Mit mehlverklebten, aber glücklichen Gesichtern schoben sie Blech um Blech ins Rohr.
Bis Dorothea erschrocken ihre Hände in die Höhe hielt. „Mein Ring! Mein Ehering ist weg!“
Laura blickte ratlos auf die Kekse im Backrohr. „Dann wird wohl jemand bald auf Gold stoßen…“

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Adventskalender 2014: Türchen 18

Stunden schienen zu vergehen, während sie sich gegenüberstanden. Auge in Auge, ohne zu blinzeln. Keiner gab nach. Ein ewiges Blickduell.
Sie und er.
Er und sie.
Keinesfalls ausgeglichene Kontrahenten, doch zu allem bereit. Nur einer würde siegreich vom Platze gehen.
Laura und der Ofen.
Der Ofen und Laura.
Sie seufzte und wandte ihren Blick ab, hin zum Fenster.
Weihnachten stand vor der Tür. Nur noch wenige Tage bis zum Fest der Feste. Überall strahlten ihr bereits die Vorboten seines Glanzes entgegen. Im Büro hatte jemand einen Mistelzweig im Gang aufgehängt. Das Resultat: Kichernde Kolleginnen und wagemutige Kollegen.
Im Radio wurden tausend und ein letztes Weihnachten zelebriert und aberhunderte Großmütter von Rentieren überfahren.
Der Nachbar links von Jochen hatte einen Weihnachtsmann an seinen Schornstein gehängt und letztens sogar gescherzt, wer ihn runter werfe, werde nächstes Jahr die Geschenke austeilen müssen.
Der Nachbar rechts war weniger subtil und hatte gleich eine ganze Rentierherde samt Schlitten im Vorgarten geparkt.
Und beim Nachbarn gegenüber war Laura sich nicht sicher, ob nicht seine Lichterketten daran schuld waren, dass das mit der Energiewende einfach nicht so recht klappen wollte…
Nur an Jochens Haus ging Weihnachten bisher spurlos vorbei. Es gab keine Lichterketten, keine Weihnachtsmänner, keine Fensterbilder. Gar nichts.
Sie hatte ihn danach gefragt – und er hatte nur mit den Schultern gezuckt. „Wozu?“
„Na um Weihnachten zu feiern! Damit es hier so richtig festlich aussieht!“
„Na wenn du meinst…“ Er hatte sich an seinem Dreitagebart gekratzt. „Ich hab nur leider keine einzige Lichterkette. Und Dekoweihnachtskram hab ich auch keinen…“
„Oh.“
Mit dieser Antwort hatte sie nicht gerechnet. Aber deswegen würde sie noch lange nicht aufgeben – wenn sie schon nicht dekorieren könnte, dann würde sie eben backen.
Bloß gab es da ein winziges Problem: Lauras letzter Einsatz am Herd war nicht gerade zu ihren Gunsten verlaufen. Sollte sie es dennoch wagen?
Oder sich lieber Hilfe suchen?

Adventskalender 2014: Türchen 17

Eisern klammerten sich ihre Finger um den Tassengriff. Sie wirbelte herum. Lauwarmer Tee schwappte über den Rand, auf Hand, Boden und Bluse.
Vor ihr stand Jochen.
„Ach du bist es.“
„Wer denn sonst?“ Er sah verwirrt aus. „Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken.“
Sie winkte ab. „Ich war nur in Gedanken…“
„Gedanken? Woran denn?“
„Nichts.“ Sie drehte sich wieder zum Fenster um, zum Vogelhaus. „Nur die Vögel…“
Jochen trat hinter sie. Sein warmer Atem streifte ihren Nacken, seine Arme umschlangen sie zärtlich. Schwer legte er seinen Kopf auf ihre Schulter. „Die sind aber auch immer wieder ein toller Anblick.“ Während er sprach, kitzelte es an ihrem Ohr.
Sie schwiegen, blickten stumm zum Fenster hinaus. Sahen, wie der Gimpel sich mit einem übermütigen Finken um das Futter stritt und wie beide sich dann gegen eine Horde Spatzen verbündeten. Laura nippte an ihrem Tee, genoss Jochens Umarmung, seine Wärme. Kurz glaubte sie, seinen Herzschlag zu spüren, doch war das angesichts seines dicken Strichkpullovers wohl nur Einbildung.
„Was hast du da?“ Erneut riss Jochen sie aus ihren Gedanken.
„Was meinst du?“ Erst jetzt wurde Laura bewusst, dass sie in der anderen Hand eine kleine Visitenkarte hielt und sie gedankenverloren drehte und wendete. „Elisa Müller, Immobilenmaklerin“ stand auf der Vorderseite, flankiert von Kontaktdaten und einem wenig vertrauenerweckenden Porträt. Der wagemutig-plagiierte Slogan auf der Rückseite machte es nicht besser. „Wohnen Sie noch oder verkaufen Sie schon?“
„Ach das.“ Laura zeigte ihm die Karte. „Ich bin heut deiner Nachbarin begegnet.“
„Elisa?“ Jochen löste seine Umarmung. Laura drehte sich langsam zu ihm um – doch er hatte sich nur gierig der Kekspackung gewidmet, die er augenscheinlich mit ins Zimmer gebrach hatte.
„Ja. Sie hat mich auf dem Nachhauseweg von der Straßenbahn eingeholt und… naja, zugequatscht.“
Jochen steckte sich einen Schokokeks in den Mund. „Womit denn?“, fragte er kauend.
„Sie hat erzählt, dass sie sich freut, dass ein so charmanter junger Mann wie du endlich eine Frau gefunden hat.“
„Aha?“
„Ja. Sie dachte, wir seien verheiratet. Und hat gefragt, ob ich dir heut noch was kochen muss.“
Jochen prustete. Kekskrümel rieselten auf den Teppich. „Das darfst du dir nicht zu Herzen nehmen.“
„Nein?“
„Nein. Als ich vor ein paar Jahren ein vollständiges Iron-Man-Kostüm in der Straßenbahn transportiert habe, machte es monatelang die Runde, ich würde heimlich Roboter bauen und sei gefährlich.“ Er zuckte mit den Achseln. „Dabei war nur mein Auto in der Werkstatt.“

Adventskalender 2014: Türchen 16

Noch ein, zwei Mal mit den Flügelschlagen. Die Beine ausstrecken, landen. Der kleine Spatz hat es fast geschafft, fast das Vogelhaus erreicht. Da, ein kleiner Windstoß reißt ihn aus seiner Flugbahn. Er kommt ins Trudeln, gleitet ab. Schnell schlägt er mit den Flügeln, die Bewegungen fließen ineinander, zu schnell für das träge Auge. Er kämpft gegen den Wind an, für den Bruchteil einer Sekunde ringen sie entschlossen miteinander. Der Wind ist nicht bereit, ihn gehen zu lassen, will ihn nach unten drücken, vom Vogelhaus fernhalten.
Doch er ist stärker.
Stur arbeitet er sich voran, streckt die Beine aus, landet. Versteckt sich unter dem Dach des Häuschens, tritt zum Futtertrog heran. Sein Herz kleines Herz schlägt kräftig, erschüttert die Federn an seiner Brust.
Sein Magen knurrt – ein langer Tag liegt hinter ihm, voller Fliegen und Landen. Von Baum zu Baum, von Ast zu Ast. Hier ein Treffen mit Kameraden, dort ein Stelldichein mit der Liebsten. Gemeinsam ein Liedchen trällern. Sich über Zuhörer freuen, stolz das Gefieder präsentieren und zu einer erneuten Zugabe ansetzen. Applaus erwarten, missmutig zwitschern, wenn er ausbleibt. Schnell das Heil in der Flucht suchen, wenn ein Schnurrbartträger sich zeigt und genüsslich die Lippen leckt.
Aus Zorn durch die Stadt flattern, gezielt Bomben auf Zweibeiner abwerfen. Bei Starbucks vorbeifliegen, das Aroma von Kaffee riechen. Croissants sehen, Croissants schmecken. Von Tisch zu Tisch hüpfen, belacht, beschmunzelt, aber auch vertrieben werden. Nach Krumen suchen, die Pause genießen, ehe es wieder weitergeht.
Weiter, geschwind wie der Wind durch die Stadt. Zur Bushaltestelle, Krumenhort. Zweibeinern ausweichen, die Straßenbahn foppen. Ein kleines Kind vom Einsteigen ablenken.
Den knurrenden Magen spüren – nach Hause fliegen und sich im Stammlokal niederlassen. Sich wundern, wieso es immer nur die gleichen Kerne gibt.
Dennoch langt er ordentlich zu, tut es den Zweibeinern gleich – auch bei ihm landet die Hälfte auf dem Boden. Nur kurz währt seine Freude. Orangerot blitzt es am Himmel auf. Flügelschlagen. „Meins!“, tönt es aus der Luft.
Sekunden später lässt sich ein dicker Gimpel am Häuschen nieder, um Hand an die Diebe zu legen.
Aber der Spatz ist längst weg, auf zu neuen Abenteuern.
Wieder in die Stadt? Zu Starbucks? Zur Liebsten?
„Laura?“ Vor Schreck fiel ihr beinahe die Tasse aus der Hand.

Adventskalender 2014: Türchen 15

Langsam kam die Straßenbahn zum Stehen. Laura erhob sich schwerfällig von ihrem Platz, schulterte ihre große Umhängetasche und stieg aus. Erleichtert sog sie die frische Luft ein und warf einen kurzen Blick zum Himmel, an dem schon die ersten Sternlein prangten.
Jochen wohnte echt ziemlich weit draußen. Sicher, die Gegend war ruhig und beschaulich, aber mit der Straßenbahn brauchte sie doch fast eine ganze Stunde vom Stadtzentrum bis hierher.
Und dann war sie noch nicht einmal zu Hause, sondern hatte noch einen kleinen Fußmarsch vor sich.
Da lob ich mir doch das Stadtleben… Sie seufzte ergeben und sog noch einmal die frische Luft ein, ehe sie losging. Wenigstens die war hier besser.
Es waren nicht viele Leute aus der Straßenbahn ausgestiegen – wer etwas auf sich hielt, fuhr hier mit dem Auto – und so zerstreute sich die kleine Traube an Fahrgästen schnell.
Laura stapfte anfangs lustlos drauf los, war aber bald froh, sich nach der langen Fahrt ein wenig die Beine zu vertreten. Sie legte einen schnellen, federnden Schritt an den Tag. Unter ihren Füßen raschelten kleine Laubreste, ihr Blick glitt unwillkürlich nach oben zu den dunklen kahlen Silhouetten, die die Straße säumten.
Mitte Dezember und noch kein Schnee. Einerseits praktisch, da so das winterliche Verkehrschaos ausblieb. Aber dennoch fehlte so etwas.
Hinter ihr raschelte es im Laub – Laura fuhr unwillkürlich zusammen. War ihr jemand gefolgt? Ihre Finger umklammerten den Schlüsselbund in der Jackentasche. Mit klopfendem Herzen sah sie sich um.
Direkt hinter ihr stand eine Frau mittleren Alters mit hochgesteckten, braunen Haaren, die Laura verdattert ansah. Sie war in einen dicken Pelzmantel gehüllt, der aber nur mäßig verhüllte, dass die Besitzerin eindeutig ein paar Pfunde zu viel auf die Waage brachte.
„Oh, hallo“, grüßte Laura verlegen.
„Guten Abend“, grüßte die Frau zurück, „verzeihen Sie, wenn ich Sie erschreckt habe. Ich hätte mich nicht so anschleichen sollen. Ich wollte nur aufschließen und ein Pläuschchen halten.“
„Ach so“, machte Laura und nickte auf jene ganz bestimmte Art, auf die nur jemand nicken kann, der keinerlei Ahnung hat, was gerade vorgeht. Sie ging langsam weiter.
„Ja“, bekräftigte die Frau im Plauderton und hielt Schritt, „wo wir doch gemeinsam aus der Straßenbahn gestiegen sind und den gleichen Weg haben. Aber Sie waren mir einfach zu schnell – was Sie für ein Tempo vorlegen! Aber ich kann verstehen, dass Sie es eilig haben. Müssen Sie für ihren Mann noch etwas kochen? Ich habe heute morgen schon vorgekocht…“
„Für meinen Mann?“
„Ja, für Jochen. Ich muss sagen, es ist gut, dass er endlich eine Frau gefunden hat. So ein charmanter Mann wie er, so lange alleine…“
„Wir sind nicht verheiratet.“
„Oh.“ Die Frau sah tatsächlich betroffen aus. „Entschuldigung, wie dumm von mir. Mein Mann sagt immer: ‚Elisa‘, sagt er, ‚du sollst nicht alles glauben, was die Leute erzählen‘, sagt er.“ Sie lachte.
Laura lächelte verlegen.
„Ich wollte eigentlich längst einmal vorbeikommen und Sie in der Nachbarschaft begrüßen. Wo man doch beinahe Tür an Tür lebt. Aber man hat ja so wenig Zeit vor Weihnachten für solche zwischenmenschlichen Dinge… Oh, da sind wir ja schon.“
Tatsächlich standen sie bereits vor Jochens Haus.
„Hier, nehmen Sie meine Karte. Wir müssen uns unbedingt mal auf Kaffee und Kuchen verabreden. Hat mich sehr gefreut.“
„Mich ebenfalls.“
Laura sah Elisa nur kurz hinterher, ehe sie zur Haustür hetzte. Genug Begegnungen für einen Tag…

Adventskalender 2014: Türchen 14

Wieder klingelte das Glöckchen, als Laura die Tür aufzog. Sie konnte ihr Glück kaum fassen – endlich hatte sie ein Geschenk für Jochen! Voller Elan und Freude trat sie aus dem Laden und prallte unversehens gegen ein großes flauschiges Etwas.
Es schepperte vernehmlich, als an die dreißig große Blechkanister zu Boden fielen und nur knapp Lauras Füße verfehlten.
„’Tschuldigung, Ma’am. Hab Sie gar nicht gesehen.“
Laura blinzelte verwirrt. Schon zum zweiten Mal kollidierte sie heute mit jemandem, aber während der Ringelsockentyp noch übersehbar war, war ihr neuestes Opfer drei Meter groß. Wenn das denn reichte. Und sah aus wie Rübezahl.
„Schon in Ordnung.“ Laura bückte sich nach den Kanistern. „Warten Sie, ich helfe ihnen.“
Rübezahl strahlte übers ganze Gesicht, sein Bart hüpfte vor Freude. „Verdammt nett von ihnen, Ma’am, verdammt nett.“ Er bückte sich auch und griff sich mit baggerschaufelgroßen Händen die Kanister. „Tut mir echt leid, dass ich Sie übersehen habe. Mein alter Pa hat schon immer gesagt, ich soll nicht zu viel auf einmal tragen, hat er gesagt. War ein winziger Bursche, wissen Sie. Aber da jetzt nich Saison für ist, ist der Schneckenschutz so billig, versteh’n Sie.“ Er erhob sich, einen bedrohlichen Stapel balancierend.
Laura trat einen Schritt zurück. Sicher war sicher.
„Hab ich alle? Ja. Schöne Sache, schöne Sache…“ Rübezahl sah Laura an. „Nochmals ‚tschuldigung fürs Übersehen. Würd Sie ja auf ein Tässchen Tee einladen, würd ich. Aber ich musst Fang draußen anbinden. Hoffe, er hat die Leine nich durchgebiss’n…“ Rübezahl nickte zum Abschied.
Laura lächelte verlegen.
Wo kommen heute nur all die Verrückten her….
Besser sie sah zu, dass sie heimkam.

Adventskalender 2014: Türchen 13

Ein leises Klingeln ertönte, als sie den Laden betrat. Mit einem Schlag umfing sie Stille, die Tür fiel leise ins Schloss und all der Lärm der Massen im Konsumrausch war verschwunden.
Laura sah sich unsicher um, konnte aber außer grauen Schemen im ersten Moment nichts erkennen – es war unerwartet düster, nur eine nackte Glühbirne hing von der Decke und verwandelte den Verkaufsraum in ein Chaos aus Schatten und … noch mehr Schatten.
Laura strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und warf der Tür hinter ihr einen misstrauischen Blick zu. Wo war sie hier gelandet? Vielleicht hätte sie diesen Laden besser doch nicht betreten sollen.
Im Schaufenster hatte sie eine große weiße Figur gesehen, ähnlich der, die auf Jochens Bücherregal stand. Womöglich führte dieser Laden ja auch etwas, was Jochen noch nicht hatte und das Laura ihm schenken konnte… dachte sie.
Wenn sie sich umsah, kamen ihr daran aber Zweifel. Es schien sich um eine Art Antiquariat zu handeln, denn der Laden war bis an die Decke vollgestopft mit Regalen, Vitrinen, Schaukästen und allerlei Kram, bei dem Laura sich nicht im Traum vorstellen konnte, worum es sich wohl handeln mochte. Gleich neben sich erblickte Laura etwa ein Kissen, auf dem eine verwitterte Hand lag, direkt daneben ein ausgebreitetes Spielkartenset voller Blutspritzer und ein Glasauge. Eindeutig Überbleibsel einer geschmacklosen Halloween-Dekoration.
Laura schüttelte unweigerlich den Kopf, trat näher an die Vitrine – und wäre beinahe gestürzt. Um Haaresbreite konnte sie das Gleichgewicht waren und sah sich misstrauisch um. Neben ihr stand ein großer, ausgestopfter Yeti, dem jemand einen plastenen Patronengurt umgeschnallt hatte. Und eben jener hatte ihr gerade ein Bein gestellt.
Laura schwor innerlich, dass der Yeti eben noch nicht da war und lieferte sich ein schweigendes Blickduell mit den schwarzen Knopfaugen. Na los, beweg dich.
„Kann ich ihnen helfen?“
Laura wirbelte erschrocken herum. Ihr Blick fiel auf einen kleinen gebeugten Mann, wohl den Besitzer des Ladens.
„Ja, ich…“, begann sie, suchte nach Worten und ging schüchtern auf den Mann zu, „Ich suche…“
Da fiel ihr Blick auf einen Schaukasten hinter ihm. War das nicht…? Doch, war es! Gerade erst gestern hatte sie… das war einfach nur perfekt.
„Ich hätte gerne das da.“ Triumphierend zeigte sie mit dem Finger darauf.