Elfchen XVIII

getrennt
nicht zusammen
Reform und Dschungel
richtiges Schreiben kann Dichter
verrücktmachen

Advertisements

Kein Glück

„Was hältst du von denen da?“ Phil sah ihn bedeutungsvoll über den Rand seiner Sonnenbrille an, als würde er auf eine Antwort warten.
„Hm?“ Rob sah seinen Kumpel fragend an. Das Wummern des Basses direkt hinter ihm übertönte nicht nur das Geschrei und Gejohle der vielen Kinder am Strand und dieses Klingeln in der Ferne, das er nicht zuordnen konnte, sondern auch Phils Worte. Er langte mit dem Arm hinter den Liegestuhl und drehte den Lautstärkeregler des Ghettoblasters um einen Tick zurück. Gleichzeitig fischte er sich eine Dose Bier aus der Kühlbox.
„Was du von den Mädels hältst. Die da drüben.“ Phil deutete zur Strandbar, die etwa hundert Meter entfernt war. „Weißer Bikini.“
Das Bier zischte verheißungsvoll. Rob nahm einen langen Schluck. Sein Blick fiel auf zwei lange, braungebrannte Beine, ein Bauchnabelpiercing und ein viel zu knappes Bikinitop. „Nicht schlecht.“
„Ihre Freundin ist auch nicht ohne.“
„Stimmt.“ Neben der Versuchung in Weiß stand eine großgewachsene schwarze Schönheit in einem Bikini mit Blümchenmuster. Sie unterhielt sich angeregt mit ihrer Freundin, entblößte dabei ein zauberhaftes weißes Lächeln und spielte offenbar in aller Unschuld mit einem Ende der Schnur, das direkt zu einem der Knoten gehörte, der … Ein Beachvolleyball flog vorbei, nahm ihm die Sicht. Rob schluckte schwer und verfluchte innerlich die Kinder.
Dieses Geschrei – und dieses Klingeln, das irgendwie näher kam … Was war das nur?
„Wow, oder?“ Phil grinste ihn an. „Vielleicht sollten wir mal Hallo sagen?“
Rob zuckte mit den Achseln. „Warum nicht? Erproben wir unser Glück.“ Er leerte sein Bier in einem Zug, setzte seine verspiegelte Sonnenbrille auf, erhob sich und rieb sich am Ohr. Das Klingeln kam näher, wurde lauter. Er sah sich um, entdeckte nichts und fuhr sich mit den Händen durch die Haare.
Phil sah ihm zu, runzelte die Stirn und winkte ab. „Lass mal, bei dir ist da eh nichts mehr zu retten.“
„Depp.“
Phil grinste, gähnte und stand auf. „Dann wollen wir mal. Ganz locker.“
Bis zur Strandbar war es nicht weit. Die Liegestühle und Strandmatten waren nicht so gedrängt wie direkt am Wasser. Direkt vor der Bar verlief ein schmaler Streifen Asphalt für Radfahrer und Skater, der den Liegeplatz unattraktiv machte. Direkt dahinter der Stehtisch mit den Mädels.
Sie schlenderten locker dahin. „Was sagen wir eigentlich?“
Phil grinste und zog lässig einen Fünfziger aus den Taschen seiner Shorts. „Dass die Drinks auf mich gehen.“
„Guter Plan.“ Rob fuhr sich erneut durchs Haar. setzte seinen Fuß aufs Asphalt. Plötzlich war da wieder das Klingeln, gefolgt vom durchdringenden Ton einer Hupe. Eine solide weiße Wand krachte gegen seine Seite, hob ihn aus seinen Flipflops. Schmerz explodierte überall um ihn, dann wurde es nacht.
Heute hatte er kein Glück. Er wurde von einem Eiswagen überrollt.

 

—-

Dieser Text ist ein Beitrag  zur zehnten Rude des Projekts *.txt, bei dem Autoren 21 Tage haben, um zu einem gezogenen Wort einen Text zu verfassen. Mehr zum Projekt gibt es hier, das Wort der zehnten Runde war Glück.

Mir wurde der „Liebster Blog Award 2015“ verliehen …

Heute gibt es keinen Text, sondern ein längst überfälliges Posting: Mir wurde der „Liebster Blog Award 2015“ von der Bloggerin Moana überreicht, weshalb ich heute die Ehre habe, hier elf Fragen zu beantworten.

Die Regeln des Awards sind nämlich:

  1. Danke dem Blogger, der dich nominiert hat
  2. Verlinke den Blogger, der dich nominiert hat
  3. Füge eines der Lovely-Blog-Award Buttons in deinen Post ein
  4. Beantworte die Fragen, die dir gestellt wurden
  5. Erstelle 11 neue Fragen für die Blogger die, du nominierst
  6. Nominiere 5 Blogger, die weniger als 300 Follower haben
  7. Informiere die Blogger , dass du sie nominiert hast

Danke für die Nominierung, Moana!

Auf den Button verzichte ich, weil ich hier sowieso nie Bilder habe. Das behalte ich mal bei ;)

Folgende Fragen wurden mir gestellt:

1. Wie lebst du deine Kreativität aus?

Hier auf diesem Blog natürlich! Zwar hab ich die Dinge in den letzten Tagen etwas schleifen lassen, aber der Tintenfleck ist meine Spielwiese für einfach alles! Ob ich Tankas schreiben will, Kürzestgeschichten verfasse oder anderen Kram anstelle, hier kann ich mich austoben. Und bisher habe ich dadurch auch noch keine Leser verloren – hoffe ich zumindest ;-)

2. Schaust du lieber Filme oder Serien?

Sowohl, als auch. Bei Filmen nervt es mich nur immer wieder, dass ich auf deutschen Privatsendern drei Stunden Zeit einplanen muss, weil sie insgesamt eine ganze Stunde Werbung machen. Bei Serien nervt mich hingegen der bekloppte Ausstrahlungsrhythmus. Wenn ich jemals den Typen in die Finger kriege, der auf die Idee kam, tolle Serien wie Blue Bloods oder Black Sails in drei Abenden als Marathon zu verbraten, sich danach über fehlende Quoten aufzuregen und die Serien abzusetzen …

3. Wenn du eine Eiscremesorte wärst, was wärst du für eine?

Pistazie! Nicht, weil ich sie so gerne mag, sondern wegen dieser tollen Szene aus „Zwei Asse trumpfen auf“ ;)

4. Hast du ein Lieblingszitat?

Wenn das nicht die schwerste aller elf Fragen ist … früher habe ich gerne Gandalf aus The Lord of the Rings zitiert: „He that breaks a thing to find out what it is has left the path of wisdom.“

Was auch immer passt, ist Obelix‘ Standardspruch: „Die spinnen, die Römer!“

Aber in letzter Zeit gefällt mir vor allem der erste Halbvers aus Ovids Metamorphosen: „In nova fert animus“ – etwa „Der Geist trägt zu Neuem“ oder „Der Geist trägt in neue Gebiete“. Bei Ovid geht’s zwar ganz anders weiter danach, aber mir gefällt der Halbvers. Es ist sozusagen das, was ich hier auf dem Blog auch tue – der Kreativität freien Lauf lassen und einfach ausprobieren, was mir Spaß macht :)

5. Warum schreibst du diesen Blogbeitrag?

Weil ich von Moana nominiert wurde ;)

6. Was würdest du bei einer Zombie Apokalypse tun?

Rennen!

7. Bist du ein Kind des Internets?

Nein, vermutlich nicht. Ich habe das Aufkommen des Internets miterlebt und erinnere mich noch sehr gut an die Zeiten, als wir uns mit einem Modem ins Internet einwählen mussten und nicht telefonieren konnten, während wir im Internet waren. Wir hatten damals auch noch diese alten Handys, mit denen man zwar nur telefonieren, SMS schreiben und Snake spielen konnte, die dafür aber unzerstörbar waren. Mein heutiges Handy hingegen ist irgendein Billigteil von Samsung und hat sogar Ladezeiten, wenn ich das Adressbuch aufrufen will – ich weiß, manche werden mir jetzt sagen, ich hätte mir halt kein Billigteil kaufen sollen, aber haufenweise Geld, das ich nicht habe, für das neueste und schnellste Smartphone ausgeben? Damit ich es nach zwei Tagen aus Versehen fallen lasse und es gleich kaputt ist? Nein. Außerdem wüsste ich nicht einmal, was gut ist – ich habe gerade erst vor ein paar Tagen eine technikaffine Freundin verblüfft, weil ich nicht wusste, dass wir schon beim iPhone Nr. 6 sind ^^

Übringens ein Fun Fact zur Frage am Rande: Erst vor kurzem haben wir hier entrümpelt – und noch zwei alte Modems gefunden. Beide so mindestens 15 Jahre alt :)

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich mag das Internet, die Möglichkeiten, sich auszutauschen, sich weltweit zu vernetzen, Informationen jederzeit abrufen zu können. Aber gleichzeitig bin ich auch immer wieder froh, wenn ich nicht am Bildschirm sitze, sondern weit ab von der virtuellen Welt ausspannen kann und nicht dauernd erreichbar sein muss.

8. Wer ist dein/einer deiner Lieblings Buchcharakter/e?

Ohne zu zögern: Gandalf. Es gibt zwar viele, die knapp dahinter rangieren (Neville Longbottom, Albus Dumbledore, Bartimäus, George aus Lockwood & Co. und viele mehr, das würde zu weit führen), aber Der Herr der Ringe begleitet mich schon meine halbe Lesekarriere lang. Harry Potter las ich zwar vorher, aber Tolkien hat doch den größeren Eindruck bei mir hinterlassen. Ich fürchte, das wird sich auch nicht mehr ändern ;)

(Und zum Glück hat niemand nach meinem liebsten Comic-Charakter gefragt, das könnt ich nämlich nun wirklich nicht beantworten – dafür gibt’s zu viele ;) )

9. Was willst du gerne mal sehen?

Es gibt da ein paar Berge hier in meiner Gegend, von denen ich doch gerne einmal ins Tal hinabsehen würde.

Vielleicht komm ich irgendwann einmal dazu, deren Gipfel zu stürmen.

10. Welche Worte kannst du zur Zeit gar nicht leiden?

Da gibt es eigentlich keines – ich mag alle Worte. Je skurriler, desto besser!

11. Bist du eher Pessimist oder Optimist?

Manche Menschen würden mir unterstellen, dass ich ein Pessimist bin, weil ich oft im Scherz die schlimmsten Szenarien ausmale. Meist meine ich das gar nicht so, ich hab einfach nur einen schrägen, bösen und für viele unverständlichen Humor. Selbst würd ich mich eher als Optimisten ansehen – ich bin überzeugt, was auch passiert, am Ende wird alles gut.

So, laut Regeln benötige ich nun 11 neue Fragen. Als da wären:

  1. Gedicht oder Prosa? Was ist dir lieber?
  2. Wo würdest du am liebsten einmal Urlaub machen?
  3. Stell dir vor, du hast ein Hotelzimmer für dich allein an deinem Wunschurlaubsort gebucht. Du bist aufgeregt, fliegst hin, schimpfst auf den Gepäckaufpreis, weil dein Koffer zu schwer ist, überlebst die Strapazen des Flugs, widerstehst den Verlockungen von Duty Free und bist endlich im Hotel angekommen, nur um festzustellen, dass es zu einer Doppelbuchung gekommen ist: Schockschwerenot, du musst dein Zimmer mit einem fremden teilen! Mit welchem Buchcharakter willst du auf keinen Fall in einem Hotelzimmer landen?
  4. Und da mich das umgekehrte Szenario auch interessiert: Mit welchem Charakter willst du unbedingt ein Zimmer teilen?
  5. Da Unterhaltungen mit Buchcharakteren auf keinen Fall urlaubsfüllend sind, hast du natürlich ein Buch mit. Aber nur eines, weil dein Koffer zu voll war! Welches Buch wäre es?
  6. Wenn nun eine Zombieapokalypse an deinem Urlaubsort ausbrechen würde: Was tätest du als erstes?
  7. Hast du einen Lieblingsdichter?
  8. Hast du ein Lieblingsgedicht?
  9. Frage für Autoren: Rückblende oder Vorausdeutung? Was verwendest du lieber?
  10. Frage für Autoren: „Show, don’t tell“ – überlebenswichtige goldene Regel oder verzichtbarer und fälschlich-absolutierter Ratschlag?
  11. Frage für Autoren: Schreib ein Haiku. Und gib mir darüber bescheid, ich will es lesen! ;-)

Da ich mir so wahnsinnig viel Mühe mit diesen Fragen gegeben habe (^^), tagge ich nicht nur Menschen, sondern lade auch alle, die das hier lesen, zum beantworten ein! Wenn nicht alles, dann wenigstens Nr. 11 hier in den Kommentaren!

Ich reiche den Award weiter an:

Runa Phaino
Evanesca Feuerblut
Ally Stone
Mea
… und Nr. 5 spare ich aus, die steht stellvertretend für alle anderen, die das beantworten wollen! ;)

So, hat Spaß gemacht. Jetzt bin ich auf Kommentare und vor allem die Antworten meiner Opfer gespannt ;)

Drabble

Achtundneunzig … neunundneunzig … hundert. „Fertig!“ Er lächelte zufrieden, lehnte sich zurück und begutachtete sein Werk. Der langsame Spannungsaufbau, der Plottwist, die Pointe – alles in genau 100 Wörtern. Ein Drabble. Formvollendet. Er hatte es einfach drauf.
„Zeig mal …“ Seine Muse trat hinter ihn. Ihre Haare kitzelten ihn, als sie sich über seine Schulter beugte und las. Sein Herz begann zu klopfen, Zweifel beschlichen ihn. Ob sie den Text wohl gut fand? Schließlich richtete sie sich wieder auf. Er hielt den Atem an. „Gar nicht schlecht.“ Er atmete erleichtert aus. „Aber das sind nur neunundneunzig Wörter.“