NaNoWri-Buh!

Guten Abend allerseits!

Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass ich beim NaNoWriMo am Start sein werde. Aber noch ist es eine Stunde bis Mitternacht und dem Beginn des NaNoWriMo – bis dahin herrscht noch Halloween, die Zeit der Geister und Spukgestalten, die sich draußen im Schutze von Nacht und Nebel tummeln. Warum nicht beides verbinden und die Wartezeit verkürzen?

Als kleine Aufwärmrunde für den NaNoWriMo habe ich mit der Software inklewriter ein Textadventure über das Warten auf den NaNoWriMo am Halloweenabend verfasst.

NaNoWri-Buh! – ein grusliges Textadventure erwartet euch.

 

In eigener Sache: NaNoWriMo

Jenen, die mir auch auf Twitter folgen, wird es vielleicht schon aufgefallen sein, dass ich klamm heimlich mein in die Jahre gekommenes Profilbanner ausgetauscht habe. Nun ziert ein NaNoWriMo-Banner meine Seite:

NaNo-2015-Participant-Banner

Damit ist die Katze wohl aus dem Sack: Ich nehme dieses Jahr am National Novel Writing Month teil. Für die, die es nicht kennen: Vor vielen Jahren hatte der Amerikaner Chris Baty eine bahnbrechende Idee. Seit Ewigkeiten wollte er schon einen Roman schreiben, hat es aber immer wieder vor sich hergeschoben. Also hat er sich mit seinen Freunden zusammengesetzt, gesagt „Wir alle schreiben jetzt diesen Monat einen Roman“ und damit den National Novel Writing Month erfunden. Nun, viele Jahre später, ist diese Schnapsidee zu einem globalen Event angewachsen, bei dem rund um den Globus tausende Menschen gleichzeitig im November einen Roman zu schreiben versuchen. Es gilt, in dieser Zeit nicht weniger als 50.000 Wörter zu schreiben.

Dabei geht es nicht darum, den perfekten Roman sofort hinzuklotzen – die Idee ist vielmehr, durch diese kollektive Anstrengung endlich die Rohfassung fertig zu stellen. Oder wenigstens einmal mit ihr anzufangen. Gegen das Prokrastinieren und so, weil Gruppenzwang.

Mein erstes (und letztes) Mal war 2010. Seit dem ging sich für mich eine Teilnahme nicht mehr aus. Dieses Jahr habe ich aber endlich wieder Zeit und springe daher auf den NaNo-Zug auf.

Falls jemand unter meinen Lesern auch am NaNoWriMo teilnimmt: Nur heraus damit! Ich freue mich immer über neue Writing Buddys. Ihr findet mich als fruehstuecksflocke auf der NaNoWriMo-Seite.

Zu ihr?

„Zu mir oder zu dir?“ Schneller als gedacht war aus dem Vorhaben, einen kleinen Feierabenddrink zu nehmen, mehr geworden. Es folgte Bier auf Bier, Anspielung auf Anspielung, Kuss auf Kuss – sofern man denn erkennen konnte, wann ein Kuss endete und der nächste folgte … Die nächtliche Fahrt im Taxi wollte kein Ende nehmen. Lorenz‘ Herz pochte ihm bis zum Hals, angestrengt starrte er aus dem Fenster und versuchte, das wissende Grinsen des Taxifahrers zu ignorieren, während die Häuser an ihnen vorbeizogen. Er kannte die Gegend nicht, hatte längst aufgehört, sich die Straßennamen zu merken. In seinen Ohren rauschte das Blut.
Schließlich legte der Taxifahrer den Blinker ein, fuhr rechts ran. Er drückte dem Fahrer ein Bündel Scheine in die Hand. Viel zu viel, doch er wollte nicht knausern, wollte nicht innehalten, um zu zählen. Hastig öffnete er die Tür, stieg aus und hielt seiner Begleitung die Hand hin. Ihr Griff war sanft, doch fest, ihre Haut zart. Kalte Nachtluft umfing sie, sträubte seine Haare an den Armen.
Fragend sah er sie an.
„Da“, hauchte sie und wies auf die Tür eines Mietshauses, ging voran, schloss auf.
Er folgte ihr.
Als die Lifttür sich schloss, drehte sie sich zu ihm um und schlang ihm die Arme um den Hals. Ihr Parfüm, vermischt mit Rauch aus der Bar, stieg ihm in die Nase. Ihre Hände fuhren durch sein Haar, ihre Lippen küssten die seinen. Er erwiderte den Kuss, genoss die Berührung.
Der Lift blieb stehen, die Tür öffnete sich. Er wollte sich von ihr lösen, sie nach dem Weg fragen, doch sie zog an seinem Hemd. Ineinander verschlungen wankten sie aus dem Lift, stolperten durch den Flur, krachten gegen eine Tür.
„Moment“, wisperte sie, schob ihn sanft von sich. Widerwillig ließ Lorenz von ihr ab, sah zu, wie sie nach dem Schlüssel in ihrer Handtasche suchte.
Als sie ihn fand und ins Schloss schob, schob er seine Hand unter ihre Bluse. Sie erstarrte, ließ sich Zeit, bis sie endlich aufschloss, während er langsam Knopf um Knopf öffnete. Die Tür schwang auf, sie ergriff seine Hand, zog ihn hinein.
Ihre Bluse fiel zu Boden, er umschlang sie, stieß die Tür mit dem Fuß zu, die krachend ins Schloss fiel. Ihre Finger zerrten gleichzeitig an Hemd und Gürtel, zogen ihn weiter ins Innere der Wohnung. Lorenz‘ Blick fiel auf eine ungeordnete Küche, schmutziges Geschirr im Spülbecken, ein Bruce-Springsteen-Poster an der Wand.
Durch eine weitere Tür zog sie ihn ins Schlafzimmer. Er fühlte, wie sein Gürtel nachgab, Reißverschluss, Knöpfe, ihre Fingerspitzen tastend, forschend auf seiner Haut.
Plötzlich kippte sie nach hinten, zog ihn mit sich. Unter ihnen bebte und ächzte das Bett, gemeinsam federten sie auf der Matratze. Ihre Beine umschlangen ihn. Vorfreude schien seine Brust jeden Moment sprengen zu wollen. Wie in Trance fiel sein Blick auf ein kleines Regal über dem Bett. Bücher, ein kleines Radio, eine Figur, weiß mit weißem Helm und einem Gewehr, eine offene Tüte Chips, aus der ein rosarotes Gummiband hervorlugte, ein braun-graues Knäuel, zwei schwarze Knopfaugen … Er zuckte zusammen, erstarrte.
Unter ihm seufzte sie unwillig. „Jetzt schon?“

 

Bei diesem Text handelt es sich um ein Experiment: Was würde passieren, wenn die Protagonisten einer Liebesgeschichte die Geschlechter tauschen, so wie Stephenie Meyer es jüngst bei Twilight gemacht hat? Basis für das Experiment war der Text „Zu ihm?“, alle Einzelheiten und Hintergründe zum Experiment gibt es als Gastartikel bei Evanesca Feuerblut.