Frohe Weihnachten!

Und schon ist er da, der 24. Dezember. Überall im Land weihnachtet es sehr – auch hier.

Ich wünsche euch allen frohe Weihnachtsfeiertage, einen gütigen Geschenkebringer und ein reichliches Festtagsmenü.

Der Tintenfleck legt jetzt erst einmal eine Feiertagspause bis voraussichtlich Dreikönig ein. Wem in der Zwischenzeit langweilig ist, dem empfehle ich sehr das Textadventure „Eine kleine Weihnachtsgeschichte“, das ich zusammen mit Evanesca für den Blogger-Adventskalender 2015 erstellt habe. Alles dazu findet ihr hier auf der FeuerFlocke.
Das Adventure hat viele verschiedene Wege zum Ziel und insgesamt 15 mehr oder weniger glückliche Enden, falls ich mich nicht verzählt habe. Für Spiel, Spaß und Spannung ist also gesorgt ;)

Die große Tintenfleck Leserumfrage läuft übrigens noch. Ihr helft mir wirklich sehr, wenn ihr daran teilnehmt!

Viele Grüße, alles Gute und gleich auch einen guten Start ins neue Jahr wünscht

fruehstuecksflocke

Die Geister, die er rief

Star Wars: The Force Awakens ist ein Film wie kein anderer – und doch ist er Teil einer Serie. Viel ist geschrieben worden, ehe er erschien, aber nachdem er erschienen ist … es gibt da diese Szene, in der man weiß, in der man wirklich Gänsehaut kriegt: Wir sehen Han Solo dasitzen, lässig, wie damals, in der Bar auf Tattoine, als Chewbacca …

Er scrollte runter, überflog hastig den Rest des Textes auf dem Laptopbildschirm und korrigierte ein paar Tippfehler. Ja, er war ganz zufrieden mit seiner Kritik zum neuesten Teil zu Star Wars. So zufrieden, dass er sich nun wirklich einen weiteren Weihnachtskeks verdient hatte. Wie er sie liebte, die selbstgemachten Backwunderwerke seiner Liebsten … Während er sich fragte, ob er Chewbacca wirklich richtig geschrieben hatte, streckte er den Arm nach dem Teller aus – und griff ins Leere.
Verdammt.
Keine Kekse mehr.
Er seufzte, fischte mit den Füßen unter dem Tisch nach seinen Pantoffeln, griff sich den Teller und verließ den Raum.

Als er wiederkam, trug er einen Teller frischer Kekse in der einen und eine Tasse heißen Früchtetee in der anderen Hand. Zwar lag immer noch kein Schnee, aber Tee gehörte zu Keksen nun einmal dazu. Er schlurfte zu seinem kaputten Laptop, wich gekonnt den Glassplittern am Boden aus und vermied es haarscharf, dass Kekse vom Teller auf den Boden fielen, als er dem kleinen Gnom mit dem Hammer auswich.
Soooo.
Teller abstellen, Keks nehmen, lecker finden, weitertippen. Läuft.
Seine Finger tanzten über die Tasten – und er schnitt sich prompt an einer Scherbe.
„Verflixt, was …“ Klirrend fiel die Teetasse zu Boden, die er noch in der Hand hielt.
Sein Laptop – zerstört!
„Was zum Teufel ist hier passiert?“ Fassungslos fuhr er sich durch die langen Haare, rückte die Brille zurecht, blinzelte, zwickte sich, ehe der Blitz der Erkenntnis ihn traf: Hammer. Gnom. Hinter ihm!
Er wirbelte herum.
„Was kuckst’n so?“ Der Gnom stand hinter ihm und sah ihn ausdruckslos an.
„Mein Laptop! Warst du das?“
„Jup.“
„Na warte!“ Er sprang auf, seine Finger legten sich um den Hals des Gnoms, bereit, Homer Simpson alle Ehre zu machen – und griffen ins Leere.
„Was?“
„Ätsch.“ Der Gnom streckte ihm die Zunge raus. „Geister kann man nicht würgen.“
Er wich zurück. „Geister???“
„Ja.“ Der Gnom nickte wichtig. „Gestatten: Ich bin der Geist der spoilerfreien Weihnachten!“ Er verbeugte sich und lupfte die Zipfelmütze.
„Was?“
„Nana.“ Der Gnom wedelte schulmeisterhaft mit dem Finger. „Du wiederholst dich. Und guck nich so blöd wegen dem Laptop. Das kommt davon, wenn man Rezensionen mit Spoilern schreibt.“

 

—-

Anmerkung des Autors: Nein, ich habe Star Wars noch nicht gesehen. Werde ich auch erst in voraussichtlich einer Woche!

In eigener Sache: Große Leserumfrage

Die Frage des Tages: Wer liest eigentlich den Tintenfleck?

Eine Frage, auf die ich leider gar keine wirkliche Antwort habe – ihr vielleicht? Ja, wer wenn nicht ihr ;-)

Den Tintenfleck gibt es nun seit fast eineinhalb Jahren und in dieser Zeit ist viel passiert. Über 150 Texte sind hier online gegangen, eine Zahl, über die ich immer wieder staune. Woher nahm ich nur all die Ideen?

Nach all dieser Zeit würde mich aber einmal interessieren, wer wie wo wann was wieso liest. Deshalb gibt es heute keinen Text, stattdessen habe ich an einer Umfrage gebastelt, die ihr hier finden könnt: Die Große Tintenfleck Weihnachtsumfrage 2015.

Keine Angst, ich will weder eure Namen, noch eure Adressen oder Schuhgrößen! Die Umfrage soll mir helfen, mir einen besseren Überblick über meine Leserinnen und Leser zu verschaffen. Ich habe hier viele Projekte und Serien gestartet, viele verschiedene Textsorten ausprobiert und frage mich nun, in welche Richtung ich mit dem Kurzgeschichtenblog weiter gehen werde. Das wichtigste Kriterium seid dabei ihr, liebe Leseratten. Also helft bitte mit, füllt die Umfrage aus (keine Angst, das ist in 5 Minuten erledigt) und lasst uns gemeinsam den Tintenfleck zu einem noch besseren Leseerlebnis für alle machen! :-)

 

Eine neue Idee

Als er die Vorhänge aufzog, blendete ihn das hereinfallende Licht. Er blinzelte mehrere Sekunden dagegen an, dann wurde seine Sicht wieder klar. Draußen lag kein Schnee, aber es war eine kalte Nacht gewesen. Die Sonne stand bereits am Himmel, aber die Berge belegten das Tal noch mit langen Schatten. Die Wiesen und Bäume waren von weißem Reif überzogen – Tau, der nachts gefroren war.
Er schauerte unwillkürlich, Gänsehaut überzog seinen nackten Oberkörper. Hastig rieb er sich die Arme, um das unangenehme Gefühl zu vertreiben.
„Hier, ich hab Kaffee gekocht.“
Ihre Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Dankbar drehte er sich um, nahm eine dampfende Tasse entgegen.
„Zwei Stück Zucker, keine Milch.“ Sie lächelte scheu, als sie auf seine Pedanterie anspielte. Es stand ihr, ebenso wie sein großes T-Shirt und die langen, nackten Beine …
„Perfekt. Danke.“ Er lächelte zurück und umklammerte die Tasse mit beiden Händen.Wohlige Wärme breitete sich schlagartig in seinen Fingern aus.
Sie ließ sich im Schneidersitz auf seinem Bett nieder, pustete ein paar blonde Strähnen aus ihrem Gesicht und sah ihn an.
Er setzte sich ihr gegenüber aufs Fensterbrett, bereute die Entscheidung aber sofort. Die Fensterscheibe war klirrend kalt, das Fenster undicht, es zog furchtbar herein. Trotzdem verharrte er, trank seinen Kaffee.
„Du hast gestern gesagt, du wolltest ein Buch schreiben“, begann sie, „Worum genau sollte es da gehen?“
Er ließ sich Zeit mit der Antwort, ordnete seine Gedanken, strich sich bedeutungsvoll durch den Bart – wie er hoffte. „Um einen alten Wissenschaftler, der sein Leben verpasst hat. Jahrelang hat er Studenten unterrichtet, geforscht und theorisiert. Den Sinn des Lebens gesucht und dabei alles versäumt. Seine Freunde haben geheiratet, Kinder gezeugt, sind weggezogen oder gestorben. Er ist alt und einsam, seines Lebens überdrüssig, geht einen verhängnisvollen Deal ein, da er nichts zu verlieren hat. Aber eines Tages trifft er sie: Jung, fröhlich, ein Ausbund an Energie, Tochter aus erzkatholischem Hause. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Er will sie, aber sie will warten. Er umgarnt sie, verführt sie, schwängert sie. Aber er kriegt kalte Füße, verlässt sie. In ihrer Not weiß sie nicht wohin, bis sie das Kind schließlich … nun ja. Sie wird für ihr Tun verurteilt, verstoßen …“
„… und eingesperrt?“
Er nickte. „Ja. Genau. Und er …“
„… zieht los, sie zu retten, aber sie ist im Gefängnis gestorben?“
„Was … woher weißt du…?“ Er kratzte sich am Kopf. Hatte er es ihr am Vortag schon erzählt?
„Ich kenne die Geschichte bereits.“ Da, in ihrem Blick – war das Bedauern oder Mitleid?
„Wie? Woher?“ Beinahe hätte er den Kaffee verschüttet.
„Goethe. Faust. Der Tragödie erster Teil.“

Willkommen auf dem Tintenfleck

Oh, hallo. Entschuldigung, ich habe Sie da drüben gar nicht gesehen. Was sagen Sie da? Sie sind ein Blogbesucher? Ein Leser? Ach herrje … nein, verstehen Sie mich nicht falsch. Das ist großartig. Wir haben gerne Leser hier, nur habe ich jetzt gar nicht mit Besuch gerechnet. Entschuldigen Sie bitte, dass es hier etwas unaufgeräumt ist. Die Sidebar da drüben sollten wir eigentlich längst entrümpeln, aber es ist heutzutage so schwer, einen guten Webdesigner zu finden … unserer hat uns zwar gestern bereits einen Kostenvoranschlag geschickt, aber vor Juni tut er keinen Mausklick. Aber ich schweife ab … Großartig, dass Sie hier sind.
Was meinen Sie? Das sagte ich schon?
Ich habs! Ich gebe ihnen eine kleine Führung! Ignorieren Sie einfach das Durcheinander hier, sehen Sie mal nach unten, da wo „Teilen“ steht. Das sind die Sharing-Schaltflächen. Die sollen ganz praktisch sein, damit kann man seinen liebsten Text direkt Freunden zeigen. Fragen Sie mich aber nicht, wie das funktioniert, ich habe es nie ausprobiert.
Ja, das wars auch sch… – Oh! Sie haben Glück! Sehen Sie den schrulligen Typen da drüben, den mit der Brille, der eine dampfende Darth-Vader-Tasse vor sich herträgt und gerade den letzten Keks aus der Dose im Besprechungsraum stibitzt?
Das ist der Autor! Gerade jetzt setzt er sich an den PC, sehen Sie? Gleich wird er uns einen seiner tollen Texte schreiben! Schreiben? Nein, veröffentlichen. Er hat ihn sicher schon fertig, ein genialer Kopf wie der.
Was macht er? Ah, er öffnet das E-Mail-Programm. Klar, das Feedback seiner Lektorin anschauen. Dem Text den letzten Schliff geben, die Worte noch einmal richtig aufpolieren, den Figuren Leben einhauchen und ihn dann sofort online posten.
Worum es wohl gehen wird? Ob er sich wieder mit den Musen irgendwo in der Realität verliert? Oder die epische Queste um Aaron von Ostwald fortsetzt? Wie? Die kennen Sie noch gar nicht? Da haben Sie aber was verpasst. Aber unter uns, mir gefallen die Texte um Tim den Troll ja viel besser …
Oh, er hat seine Brille gerade gerückt und einen Notizzettel gezückt! Da! Der nachdenkliche Blick. Das Spielen mit dem Kugelschreiber. Das Stirnrunzeln. Das Zupfen am Bart, das Nippen am Kaffee, das Fingerknacken! Das ist es! Man sieht die Inspiration richtig durch den Raum schreiten, kann den Kuss der Muse völlig spüren!
Dieser Mann, meine Damen und Herren, schreibt jetzt!
Aber … was tut er denn? Er springt auf, rauft sich die Haare? Stürzt den Kaffee hinunter? Zerbricht die Tasse!? Er zerknüllt den Zettel! Wirft ihn weg!!! Was …? „So kann ich nicht arbeiten!“, ruft er aus. „Was für ein Feedback soll das sein: ‚Njoa‘. Njoa! Der geb ich gleich Njoa!“
Herrje, er stürmt davon. Oh, die Tür ist jetzt aber zu.
Ach herrje.
Es tut mir wirklich leid, dass sie Zeuge dieser Szene werden mussten. Entschuldigen Sie bitte vielmals. Ja, heute wird es wohl doch keinen Text geben.
Tut mir wirklich leid. Aber vielleicht möchten Sie unseren Autoren etwas aufmuntern? Liken Sie doch irgendwas, seine verwaiste Facebook-Seite oder so …