Aus der Feder eines Taugenichts – #IchbinmeineGeschichte

Das Rad an meines Vaters Mühle braußte und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Thürschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen, mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause; er sagte zu mir: „Du Taugenichts! da sonnst Du Dich schon wieder und dehnst und reckst Dir die Knochen müde, und läßt mich alle Arbeit allein thun. Ich kann Dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor der Thüre, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb Dir selber Dein Brodt.“ – „Nun,“ sagte ich, „wenn ich ein Taugenichts bin, so ist’s gut, so will ich in die Welt gehen und mein Glück machen.“ Und eigentlich war mir das recht lieb, denn es war mir kurz vorher selber eingefallen, auf Reisen zu gehen.
Ich ging also in das Haus hinein und holte meine Geige, die ich recht artig spielte, von der Wand, mein Vater gab mir noch einige Groschen Geld mit auf den Weg, und so schlenderte ich durch das lange Dorf hinaus.
Vor mir gingen neue Dörfer, Schlösser und Berge auf; neben mir verliefen bunte Saaten, Büsche und Wiesen, über mir flogen unzählige Lerchen in der klaren blauen Luft. Ich atmete tief ein, freute mich meines Lebens und meiner Jugend und kam schon nach kurzer Zeit an einen ganz zauberhaften Orte: Flankiert von weißen Lindenbäumen führte eine Treppe zwischen Säulen zu einem prächtigen Schloss.
In diesem Schlosse ging es mir wunderlich. Zuerst wie ich mich in der weiten kühlen Vorhalle umschaue, klopft mir Jemand mit dem Stocke auf die Schulter. Ich kehre mich schnell herum, da steht ein großer Herr in Staatskleidern, mit einem oben versilberten Stabe in der Hand, und einer außerordentlich langen gebognen kurfürstlichen Nase im Gesicht, breit und prächtig wie ein aufgeblasener Puter, der mich frägt, was ich hier will. Ich war ganz verblüfft und konnte vor Schreck und Erstaunen nichts hervor bringen und ehe ich mich versah, erhielt ich am Schlosse eine Anstellung als Gärtner.
In dem Garten war schön leben, ich hatte täglich mein warmes Essen vollauf, und mehr Geld als ich zu Weine brauchte, nur hatte ich leider ziemlich viel zu thun. Doch die Tempel, Lauben und schönen grünen Gänge, das gefiel mir alles recht gut.
Ich stand nunmehr, ganz wider meine sonstige Gewohnheit, alle Tage sehr zeitig auf. Da war es so wunderschön draußen im Garten. Die Blumen, die Springbrunnen, die Rosenbüsche und der ganze Garten funkelten von der Morgensonne wie lauter Gold und Edelstein.
Da sah ich nun allemal die allerschönste Dame noch heiß und halb verschlafen im schneeweißen Kleide an das offne Fenster hervortreten. Bald flocht sie sich die dunkelbraunen Haare und ließ dabei die anmuthig spielenden Augen über Busch und Garten ergehen, bald bog und band sie die Blumen, die vor ihrem Fenster standen, oder sie nahm auch die Guitarre in den weißen Arm und sang dazu so wundersam über den Garten hinaus, daß sich mir noch das Herz umwenden will vor Wehmuth, wenn mir eins von den Liedern bisweilen einfällt.
Ich sammelte mich innerlich und atmete tief ein. Ich wollte mich bemerkbar machen und die holde Dame ansprechen, doch da fliegt mir eine fatale Fliege in die Nase und ich gebe mich an ein erschreckliches Niesen, das gar nicht enden will.

 

Dieser Text ist offensichtlich abgeschrieben. Es handelt sich um eine Raubkopie von Teilen der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff. Der zugrunde liegende Text ist die gemeinfreie Textausgabe von Wikisource: https://de.wikisource.org/wiki/Aus_dem_Leben_eines_Taugenichts

Ich möchte damit auf die vielen Plagiatsfälle hinweisen, die die Literaturwelt in diesem Jahr bereits miterleben musste. Es ist schrecklich, wie leichtfertig Menschen, die sich Schriftsteller nennen wollen, mit geistigem Eigentum umgehen. Ein Plagiat ist kein Kavaliersdelikt, ein Plagiat ist Raub.

Jeder Mensch hat die Rechte an seiner Geschichte. Das Urheberrecht ist kein Witz, sondern ein Recht (ein Witz ist eher, dass man das wirklich noch betonen muss).

Wir alle sind unsere Geschichten. #IchbinmeineGeschichte.

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3 Kommentare zu “Aus der Feder eines Taugenichts – #IchbinmeineGeschichte

  1. Als ich anfing zu schreiben, hatte ich immer schon ein schlechtes Gewissen, wenn mich ein Satz oder Absatz eines anderen Autors auf eine Idee brachte, die später gar nichts mehr mit seinem Text zu tun hatte (die Gedankengänge sind ja manchmal sehr sprunghaft und ein Funke entzündet eine gänzlich neue Idee). Einfach aus dem Grund, weil mir diese Inspiration nicht einfach so zugeflogen ist, sondern der Funke durch etwas, das ich gelesen hatte, übergesprungen war.

    Dementsprechend kann ich es kein bisschen nachvollziehen, dass jemand ganze Werke abschreibt. Dass sich mal was ähnelt ist klar, denn manchmal haben nun mal zwei oder mehrere Leute die selbe Idee, auch unabhängig voneinander. Trotzdem haben die Grundideen ja immer noch den individuellen Touch. Aber etwas komplett abschreiben ist einfach ne ganz andere Hausnummer.

    • Sich inspirieren zu lassen ist ja nicht verboten – manchmal bringt dich ein Text eines anderen Autors auf eine tolle Idee. Man kann auch mit Texten direkt Bezug auf andere Texte nehmen. Intertextualität in Form von Anspielungen, Parodien oder direkten Zitaten ist ja ein legitimes Mittel bei der Gestaltung eines literarischen Werkes.

      Aber wie du schon ausführst, etwas abzuschreiben ist eine völlig andere Sache. Das passiert nicht aus Versehen, da steckt ganz bewusst eine verbrecherische Absicht dahinter. Man stiehlt eine Geschichte und glaubt, damit durchzukommen. Das sind die Fälle, die problematisch sind. Und angesichts dessen, wie oft das dieses Jahr (wir haben erst Anfang Feburar!) schon passiert ist, glaube ich, dass wir als Literaturszene dafür ein Bewusstsein schaffen sollten, das Texte eben sehr wohl geistiges Eigentum sind.

      • Ja das mit der Inspiration war auch nur mein eigenes schlechtes Gewissen (wenn auch unnötig). Walter Moers zum Beispiel nimmt mit eigenen Geschichten Bezug zu vorhandenen Werken (hab ich irgendwo mal gelesen, ich selbst kannte die Ursprungswerke nicht) und setzt das mit seinem ganz eigenen Stil wunderbar um.

        Der Rest: Das was fruehstuecksflocke sagt.

Selber klecksen:

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