Haiku „De Aquila“ veröffentlicht!

Heute habe ich nicht direkt einen Text, sondern eine frohe Botschaft kundzutun: Gerade eben ist die 12. Ausgabe von „VATES – The Journal of New Latin Poetry“ erschienen und mit dabei: Ein lateinisches Haiku samt englischer Übersetzung von mir.

Gut, es ist kein völlig neues Haiku, sondern eine Umarbeitung des Haikus „Adler„, das bereits letztes Jahr im Februar hier auf dem Tintenfleck erschien. Obwohl es sich also nicht um einen völlig neuen Text handelt, finde ich es doch spannend, wie unterschiedlich sich das Haiku in den drei verschiedenen Sprachen präsentiert! Ich kann mich gar nicht entscheiden, welche Version mir am besten gefallen soll …

Ursprünglich wollte ich ja das deutsche Haiku nur übersetzen, aber eins zu eins war das leider nicht machbar. Das lateinische Haiku wurde anders – und da in VATES zu jedem lateinischen Text auch immer eine englische Übersetzung gereicht wird, musste ich mein Haiku natürlich auch auf Englisch übersetzen, und das möglichst so, dass er den lateinischen gut widerspiegelt. Eine vertrackte Aufgabe! Eine einfache Prosaübersetzung wollte ich nicht machen, das wäre bei einem Haiku dann doch zu schade gewesen. Also übersetzte ich mein lateinisches Gedicht auf Englisch – und wieder wurde es anders! :O

Jedenfalls, wer es sich anschauen will: Hier geht es direkt zur 12. Ausgabe von VATES, mein Haiku findet ihr gleich auf S. 14!

Ich freue mich riesig, dass ich es in die Gesellschaft solch toller lateinischer Dichter geschafft habe! Bei meinem Grinsen kann ich mir das Kürbisaushöhlen für Halloween wohl sparen ;-)

 

Jede Nacht

Er schlägt die Augen auf. Es ist stockdunkeldunkel, nur die digitalen Lettern des Weckers verwandeln die Schwärze in ein gespenstisches Grün. Er hebt den Kopf, blinzelt. Die Zahlen verschwimmen, tanzen, schärfen sich: 03:05 Uhr.
Auf seinem linken Arm fühlt er ihr vertrautes Gewicht, spürt ihre Wärme, ihre nackte Haut auf seiner. Ihr Atem geht ruhig. Ihr Haar duftet nach Vanille, Papaya und Geborgenheit. Er gähnt, schmatzt, kuschelt sich an sie – doch vergebens. Der Ruf der Natur ist stärker.
Vorsichtig zieht er seinen Arm unter ihrem Kopf hervor, schält sich aus der Decke und stemmt sich in die Höhe. Gänsehaut überzieht seinen Körper sofort. Langsam schleicht er durch das Zimmer, ein Schritt nach dem anderen. Bei der Tür wirft er einen Blick zurück.
Geschafft. Sie ist nicht aufgewacht.
Durch den Gang ins Bad. Licht von draußen spielt Picasso an der Wand. Er schlägt sein Wasser ab. Über ihm durchs Dachfenster leuchtet der Mond, färbt seine Haare silbern.
Er wäscht sich die Hände, kehrt zurück, ebenso leise wie er ging. Sein Platz ist bereits ausgekühlt, die Decke wieder kalt – doch sie ist warm. Er schlingt den Arm um sie, fährt ihre Rundungen nach. Über die Schulter, die Brust, hinab …
„Boah! Behalt deine kalten Hände gefälligst bei dir! Jede Nacht dasselbe!“

Liebster Award – 11 Fragen an mich

Es ist schon wieder erschreckend still geworden auf dem Tintenfleck – wo geht nur die Zeit hin? Fast meine ganze Freizeit geht derzeit direkt in ein Langzeitprojekt und lässt mir für den Blog hier fast keine kreative Energie mehr übrig … was so gesehen schon ironisch ist, denn eben jenes Langzeitprojekt ist zutiefst mit dem Tintenfleck als solchem verschränkt … aber dazu ein andermal mehr. Ich klär euch da bald auf, ich schwör’s!

Der Anlass für diesen Post heute: Meine geschätzte Kollegin Nora Bendzko hat mich für den liebster Award nominiert – das heißt: Ich darf 11 Fragen beantworten, mir neue Opfer suchen und diese mit 11 neuen Fragen löchern.

Aber zuerst will beantwortet werden … Das sind Noras Fragen:

1. Wie hast du dich eigentlich ins Internet verlaufen?

Ich bin hinterm Mond links abgebogen und seitdem bin ich hier. Falls jemand weiß, wie man wieder rauskommt, schreibt er mir bitte ein Mail.

2. Ganz ehrlich: Gibt es etwas, das dir in der Bloggerwelt auf die Nerven geht?

Ich mag diese ganze Aufmerksamkeitshascherei nicht. Immer, wenn ich eine dieser „Was Sie schon immer über XYZ wissen wollten“ oder „So haben Sie XYZ noch nie gesehen!“-Schlagzeilen lese, habe ich den Drang, sofort wieder zu gehen … Genauso wie diese ganzen „Folge mir und ich folge dir!“-Spielchen. Wenn mich jemand interessiert, dann werde ich automatisch ein Follower. Wenn jemand uninteressant ist, dann kriegt er mich auch durch tausendfaches followen nicht dazu, dass ich ihm auch folge …Was aber wiederum nicht heißt, dass ich nicht ständig auf der Suche nach neuen Blogs und interessanten Menschen wäre! Man lernt nie aus und ich freue mich immer wieder, wenn ich etwas Neues entdecken kann!

Und ich mag außerdem das Verb „followen“ nicht. Klingt irgendwie falsch.

3. Wie würdest du dich mit drei Adjektiven am treffendsten beschreiben?

Neugierig, humorvoll, blöd.

4. Was ist dein kleinstes Geheimnis?

Ich mag keine Tomaten – wobei das jetzt kein Geheimnis ist, wenn man mich kennt ;-)

5. Verfolgst du beim Schreiben irgendeine Philosophie?

Nur eine: Trau dich und probier dich aus! Es gibt nichts schlimmeres als Einheitsbrei und genormte Texte. Ob etwas funktioniert, merkt man immer erst, wenn man es ausprobiert hat. Es ist nicht schlimm, wenn ein Text daneben geht – man ist danach trotzdem klüger. Passieren kann einem ja nix.
Also einfach machen, einfach probieren.
Und bei Fehlschlägen eben überarbeiten.

6. Woraus würde deine Traumtorte bestehen (du liebst doch Kuchen)?

Ja, ich mag Kuchen. Und in meinem Lieblingskuchen sind Zwetschgen drin.

7. Was ist dein Guilty Pleasure?

Ich bin ein Trash-Fan. Viele, die mich kennen, wissen, dass ich gerne gute Filme sehe – und auch wirklich alte Filme, Klassiker eben.
Aber was ich auch gerne sehe, sind wirklich schlechte Filme. Filme, die so schlecht sind, dass sie weh tun. So schlecht, dass sie schon wieder gut sind.
Zum Beispiel, wenn Hollywood mal wieder einen Film zusammenbaut, bei dem es nur darum geht, dass die Welt mit möglichst vielen Explosionen gerettet wird. Dann gucke ich mir das an. Je abstruser die Story, desto besser.
Ich liebe zum Beispiel „Cowboys vs. Aliens“ oder die alten japanischen Godzilla-Filme …
Und wenn Florian Silbereisen mitspielt, dann weiß ich, ich kann mich eineinhalb Stunden tot lachen über diese Heimatidylle, die da inszeniert wird …
Aber man lernt da auch viel. Solche Filme benutzen Klischees und auch platte Darstellungen in so einer Zahl und auf so einer Ebene, dass man sich dieser unterbewussten Vorurteile („Menschen mit schwarzen Haaren sind immer böse!!!!“) dermaßen bewusst wird, dass das eigene Schreiben plötzlich ein ganz anderes ist … Haarfarben in meinen Texten sind dadurch immer bewusst gewählt. Und auch viele andere Dinge, die einem bewusst gar nicht auffallen … Spielen mit Klischees – was ich sehr gerne tue – ist eben nur möglich, wenn man sich der Klischees bewusst ist.

8. Gibt es etwas, worum du mit deinem Leben kämpfen würdest?

Das kann ich ehrlich nicht beantworten. Es gibt Dinge, für die ich leidenschaftlich brenne – zum Beispiel das Schreiben – aber das sind eben Leidenschaften, Hobbys. Andere Themen sind mir auch wichtig, gerade Politisches. Ich weiß nicht, ob ich da für meine Überzeugung sterben würde – und ich will da auch ehrlich gesagt nicht spekulieren. Themen wie Datenschutz, aber auch Freiheit, Gleichheit, Grundrechte … diese Themen sind für mich wichtig und ernst und zu sagen, ich würde dafür mit meinem Leben kämpfen käme mir irgendwie falsch vor. Schließlich war ich noch nicht in der Ausnahmesituation, damit mit meinem Leben kämpfen zu müssen.
Am Ende offenbaren wir schließlich erst im entscheidenden Moment, wie wir wirklich sind.

9. Hast du einen Erzfeind, den du uns vorstellen kannst?

Technik.
Was seltsam ist, denn eigentlich bin ich im Grunde meines Herzens ein Technikfreak. Ich habe zum Beispiel Webprogrammierung damals als eines meiner Matura-Spezialgebiete gewählt – lang ist’s her. Ich lese auch immer noch in einigen Computerforen mit, habe den einen oder anderen Blog abonniert … Und trotzdem stehe ich mit vielem auf Kriegsfuß, weil ich das Gefühl habe, dass die Technik von heute nie das tut, was ich von ihr will – dafür gibt es aber immer einen „Teile deinen letzten Fail am Computer auf Facebook!“-Knopf …

10. Wie würdest du deinen Welteroberungsfeldzug planen?

Ich würde den nächsten Harry Potter schreiben und nachdem alle Leute süchtig nach meinem Werk sind, ist es ganz einfach: „Ergebt euch oder ich schreibe nie eine Fortsetzung!“
Sollte das nicht reichen, kann man das steigern:
„Ergebt euch, oder ich schreibe ein 17-Jahre-später-Kapitel!“

11. Was wäre dein persönliches Happy Ending in deinem Leben?

Um über das Ende nachzudenken bin ich noch viel zu jung! ;-)
Das wären meine Antworten auf Noras Fragen – nebenbei bemerkt, schaut mal auf Noras Homepage vorbei. Sie ist eine tolle Autorin und ihre Texte bringen mich immer wieder zum Nachdenken. Prädikat „Sehr empfehlenswert!“

Nun kommen wir zum spaßigen Teil – ich darf meine Opfer verkünden und ihnen neue Fragen stellen … Da sich meine Fragen irgendwie alle um das Thema „Schreiben“ drehen, reiche ich diesen Award an diese von mir sehr geschätzten Kolleginnen und Kollegen weiter:

… und natürlich wüsste ich auch gern, was die liebe Nora da antworten würde ;-)
Selbstverständlich darf auch jeder andere mitmachen, der sich angesprochen fühlt!

Und hier die Fragen:

1. Wenn ich schreibe, bekomme ich früher oder später immer Durst, weshalb das Wasserglas nie weit weg ist. Manchmal steht da neben mir aber auch Kaffee oder – in sehr seltenen Fällen – Tee. Wie ist das bei dir? Trinkst du etwas, wenn du schreibst? Was ist dein Schreibgetränk?
2. Stichwort Getränk: Hast du eine eigene Schreibtasse? Oder einen bestimmten Füller, einen magischen Bleistift oder irgendwelche anderen besonderen Gegenstände des Alltags, die ganz allein deiner kreativen Leidenschaft vorbehalten sind?
3. Manche Leute hören beim Schreiben Musik. Bei mir war das früher so, für meinen letzten Fantasy-Roman hatte ich eine Art eigenen Soundtrack. Inzwischen ist viel Wasser den Bach runtergeflossen und es muss bei mir meistens absolut still sein, wenn ich schreibe. Was bevorzugst du: Stille? Straßenbahn-Lärm? Bestimmte Musik? Hast du einen eigenen Soundtrack?
4. Wie handhabst du das mit Notizen? Ich suche seit Jahren den „goldenen Gral“ des Ideen-Aufbewahrungs-Systems, aber immer wieder verschwinden mir Einfälle irgendwo im Zettelnirvana. Was verwendest du? Wie organisierst du dich? Notizbuch, Cloud-Speicher, Einmachglas, ganz was anders? Und: Funktioniert es?
5. Wir alle lesen gerne, aber: Welcher Autor hat eigentlich den größten Einfluss darauf, was und wie du schreibst?
6. Wo hast du deine besten Ideen?
7. Leere Frage, die du dir selber stellen und gleich beantworten darfst: __________________________________________________________?
8. Jeder Autor hat seine Achilles-Ferse: Szenen, die man wahnsinnig schwierig zu schreiben findet. Was ist das bei dir? Was kannst du gar nicht?
9. Und umgekehrt gefragt: Welche Szenen gehen dir besonders leicht von der Hand?
10. Wenn dich ein absoluter Schreibanfänger um Hilfe bitten würde, welchen goldenen Tipp würdest du ihm unbedingt geben wollen?
11. Weniger eine Frage, mehr eine Aufforderung: Es ist Herbst, die Blätter fallen von den Bäumen, Nebel kriecht durch Städte, Dörfer und Täler, die Tage werden kürzer, morgens ist es dunkel und kalt, nachmittags vergoldet die Sonne die Welt und wärmt uns den Pelz … die perfekte Zeit, um ein Haiku zu verfassen!
Anleitung: Erste Zeile fünf Silben, zweite Zeile sieben Silben, dritte Zeile fünf Silben!
3 …. 2 … 1 … Los!
So, geschafft. Dann lehne ich mich mal zurück und genieße eure Antworten! :-)