Gastbeitrag: Eine Sucht

„Für meine Leidenschaft würde ich alles tun.
Es gibt kaum einen Ort, den ich noch nicht bereist habe, kaum eine Sehenswürdigkeit, die ich noch nicht mit eigenen Augen gesehen habe.
Kein Weg ist zu weit, keine Reise zu teuer.
Ich tue es auf Bahnhofstoiletten, in Nobelrestaurants und direkt am Küchentisch.
Regelmäßig treffe ich mich mit anderen Begeisterten und wir tauschen uns über die besten Taktiken und Kniffe aus. Wir versuchen, uns zu optimieren. Perfekt zu sein.
Manchmal kann ich an nichts anderes mehr denken.
Und darum bin ich hier.
Mein Name ist Roger. Ich bin süchtig nach Selfies.“
„Hallo, Roger.“

 

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Vielen Dank an William von den Happy Internet Friends für dieses tolle Drabble!

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Gastbeitrag: Kleiner Dialog

„Wovor hast du denn Angst?“
„Ich werde durch einen engen, dunklen Raum gehen müssen. Es wird so feucht sein, dass ich vor lauter Hitze und Dampf nichts mehr sehen kann.“
„Ja, aber das ist alles außen, das tut dir nichts.“
„Aber ich finde es so ekelhaft! Wer weiß, wie viele da schon durchgekommen sind.“
„Glaub mir, das Ding reinigt sich selbst.“
„Ich werde die Kontrolle verlieren.“
„Aber nur für fünf Minuten.“
„Fünf Minuten! Fünf! Und wenn ich versage und es nicht wieder raus schaffe oder im falschen Moment loslege und…“
„Beruhige dich, Schatz. Die Leute sind freundlich in der Autowaschanlage.“

 

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Dieses famose Drabble verdanke ich Edgar von den Happy Internet Friends.

Gastbeitrag: Männersorgen

„Baldrian?“
„Check.“
„Blutdruckmesser?“
„Check.“
„Schokolade?“
„Ist eingepackt.“
„Zigarette? Feuerzeug?“
„Werde ich alles brauchen.“
Werner lächelte seinen künftigen Schwager bedauernd an. „Es tut mir leid, dass ich nicht bei dir sein kann. Du schaffst das schon.“
„Ich wäre mir da nicht so sicher…“ Paul packte seine Brieftasche in den Rucksack und machte sich seufzend auf den Weg zu seinem Auto.
Wieso nur brauchte seine Verlobte neue Schuhe?

 

Dieser kurze und knackige Text stammt aus der Feder von Evanesca Feuerblut. Vielen Dank, Eva! :)

Gastbeitrag: Vorfreude

Muriel atmete tief ein. Eigentlich war es ganz einfach, sie musste sich nur endlich überwinden und den ersten Schritt machen. Den Schritt, der alles ändern würde.
Sie würde Schmerzen ertragen, an der Grenze dessen, was sie aushalten konnte. Und sie würde so sehr gedemütigt werden, dass sie heulend am Boden liegen würde. Ein wenig fürchtete sie sich vor den Folterwerkzeugen des Mannes, dem sie sich heute freiwillig ausliefern würde.
Gleichzeitig wusste sie – es war ihr einziger Weg zum Glück. Muriel lächelte – insgeheim freute sie sich darauf, fühlte sich beinahe erregt…
Alles würde sich ändern. Sie klingelte bei ihrem neuen Kieferorthopäden.

 

 

Dieses herrlich zweideutige Drabble stammt aus der Feder von Verity aus dem L&L’s-Board. Da es sich hierbei um einen Gastbeitrag handelt, liegen alle Rechte am Text allein bei der Verfasserin Verity.

Gastbeitrag: Die drei kleinen Würstchen

Es war einmal ein Würstchenglas, in dem waren drei Würstchen. Als der Besitzer des Würstchenglases Hunger hatte, sagte es zu den drei kleinen Würstchen:
„Hört, ihr musst in die große weite Welt gehen und euch eine Tarnung besorgen, denn hier in dem Glas ist es viel zu gefährlich.“
Und so gingen die drei kleinen Würstchen hinaus in den Vorratsschrank.
Das erste Würstchen tarnte sich mit Mayonaise.
Der Besitzer kam an den Vorratsschrank und sah das leere Würstchenglas und ihm wurde klar, dass sich die drei kleinen Würstchen vor ihm versteckt hatten.
Er rief in den Vorratsschrank hinein.
„Ihr Würstchen, wo seid ihr?“
Da rief das Würstchen, das mit Mayonaise getarnt war:
„Du wirst mich nicht essen. Ich bin voller Mayonaise. Ich bin ungenießbar.“
Da packte der Besitzer das Würstchen und sagte:
„Dann esse ich die ganze Mayonaise herunter, bis ich an dein Fleisch komme.“
Und dann aß ganze Mayonaise von dem kleinen Würstchen ab und aß das Würstchen auf.

Das zweite Würstchen tarnte sich mit Senf.
Der Besitzer hatte Hunger auf noch ein Würstchen und sah in den Vorratsschrank.
„Ihr Würstchen, wo seid ihr?“
Da rief das zweite Würstchen.
„Du wirst mich nicht essen. Ich bin voller Senf. Ich bin ungenießbar.“
Der Besitzer packte wieder das Würstchen und sagte:
„Dann esse ich den ganzen Senf herunter, bis ich an dein Fleisch komme.“
Und dann aß er den ganzen Senf von dem kleinen Würstchen ab und aß das Würstchen auf.

Das dritte Würstchen tarnte sich mit Ketchup.
Abermals hatte der Besitzer Hunger und sah in den Vorratsschrank.
„Ihr Würstchen, wo seid ihr?“
Das dritte Würstchen rief wieder:
„Du wirst mich nicht essen. Ich bin voller Ketchup. Ich bin ungenießbar.“
Und auch hier packte der Besitzer das Würstchen und sagte:
„Dann esse ich das ganze Ketchup herunter, bis ich an dein Fleisch komme.“
Und er aß den Belag ab, wie bei den Würstchen zuvor. Doch plötzlich wurde der Besitzer rot. Sein Hals schwoll an und er warf das Würstchen auf den Boden. Er griff sich an den Hals und keuchte: „Tomatenallergie.“
Er fiel zu Boden und wurde nie mehr gesehen.
Das Würstchen rette sich ganz schnell wieder in das Würstchenglas und blieb fortan verschont. Und wenn es nicht schimmelig geworden ist, dann lebt es noch heute.

 

Dieser Gastbeitrag stammt von der famosen cazze. Wer mehr von cazze lesen will, folgt ihr am besten auf Twitter.

(Hinweis:  Bei obigem Text handelt es sich um einen Gastbeitrag. Alle Rechte am Text liegen bei der Autorin)