Tanka XX

Als wir uns trafen
Strahlte Venus am Himmel
Nichts trübte das Glück

Mit dir zog Mars bei mir ein
Streiten über Gardinen

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24. Das Geschenk (Stefanie Bender)

Ich starre unentwegt auf das Geschenk vor mir auf dem Tisch. Es ist nicht größer als ein Golfball und in glänzendes, schwarzes Papier gehüllt.
Draußen prasselt der Regen an die Scheiben und lässt dabei die Klänge der Geigenspieler verstummen. Jeder Regentropfen ist einer Träne gleich.
Hohe Kerzen stehen auf dem Tisch. Der einzige, der im großen Saal platziert wurde. Wir sind allein.
Lediglich der Kellner, der auf ein kurzes Nicken herangeschlichen kommt, weilt mit uns im abgedunkelten Restaurant.
Noch immer haftet mein Blick auf dem Geschenk. Ich rühre mich nicht. Sogar meinen Atem versuche ich unter Kontrolle zu halten. Er darf mir meine Hemmungen nicht anmerken. Niemals.
„Willst du es nicht öffnen?“, fragt er mich mit einem Lächeln, das mir einen Schauer über die Haut jagt.
Ich antworte nicht, sehe nur für den Bruchteil einer Sekunde in seine kalten Augen, wo ich nicht das geringste Anzeichen von Zuneigung entdecke. Dann fixiere ich wieder das schwarze Präsent.
„Nur zu!“, fordert er mich auf.
Langsam greife ich mit der linken Hand nach dem Geschenk und ziehe es ein Stück näher zu mir. Mein Herz rast.
Schon oft habe ich mich in brenzligen Situationen befunden. Bisher ist es mir gelungen, heil aus diesen zu entkommen, doch bei dieser Nummer ist es aussichtslos.
„Wie ich die Situation gerade einschätze“, beginnt er, „würdigst du meine Bemühungen nicht.“
Unsere Blicke treffen sich. Seine Augenbrauen sind zusammengezogen. Mir bleibt keine Zeit mehr.
Ich hatte viel zu lange für ihn gearbeitet. Ich hatte viel zu oft für ihn gemordet. Dann trat jemand in mein Leben und ich musste mich entscheiden. Ich habe ihn verlassen. Heute werde ich dafür büßen.
„Öffne es!“
Das ist kein Vorschlag mehr, keine Bitte.
Mit zittrigen Fingern löse ich die dünne, schwarze Schleife und das glatte Papier. Darunter kommt eine ebenso dunkle Schmuckschatulle zum Vorschein.
„Nun?“ Die Finger seiner rechten Hand trommeln auf den Tisch.
Erwartet er von mir, dass ich freiwillig in mein Unglück renne? Doch was soll ich tun? Ihn einfach sitzen zu lassen und aus der Tür zu gehen, ist nicht möglich. Dafür ist es schon lange zu spät.
„Du solltest das hier wertschätzen. Ich mache Frauen selten Geschenke.“
Das glaube ich ihm. Ich weiß, dass ich eine Ausnahme bin.
„Ich kann es auch anders erledigen, Charleen. Ich muss nicht einmal die Hand bewegen. Es reicht ein Blick von mir.“
„Warum tust du es dann nicht?“, fauche ich ihn an.
Eine der Kerzen erlischt.
„Weil ich will, dass du es selbst tust.“
Er spielt ein Spiel mit mir und ich hasse Spiele.
„Öffne es!“
Ich fühle mein Herz schlagen. Es schlägt schnell und laut, pulsiert in meinen Kopf.
Wie in Trance greife ich nach der Schachtel und hebe den kleinen Deckel ab.
Die Welt steht still, geht unter in der Finsternis.
Die Kerzen sind aus, die Musik verstummt.

 

***

 

Der Kronleuchter zerspringt mit einem ohrenbetäubenden Knall.
Ich springe auf und hebe meine Arme über den Kopf.
Glassplitter regnen herab.
Ich will fliehen. Die Türe ist nicht weit, doch plötzlich vernehme ich ein Geräusch. Ich erstarre. Pistolen werden durchgeladen. Nicht nur zwei. Nein. Mindestens vier Waffen richten  sich auf mich.
Eine beängstigende Lautlosigkeit legt sich wie eine schwere Decke über den Saal. Ich höre meinen Atem. Warte. Hoffentlich schießen sie endlich.
Schlurfende Schritte nähern sich.
Angst explodiert in mir, als ich erkenne, wer aus dem Dunkeln auf mich zukommt. Dieser elende Bastard. Was hat er vor?
Er legt die Hand auf meine Schulter. „Sie ist hübsch, deine Tochter. Sie sieht dir sehr ähnlich.“
„Wie kannst du es wagen?“
Mein Mädchen ist geknebelt. Tränen haben ihre Wimperntusche verschmiert.
Er hält mir seine offene Handfläche vor die Augen, auf der die winzige Schachtel steht. „Tu es vor ihren Augen oder sie wird sterben.“
„Das alles, weil ich nicht mit dir ins Bett springen wollte? Oder weil ich deinen letzten Auftrag nicht ausgeführt habe?“
„Ich hätte es anders formuliert, aber ja, du hast es erfasst.“
Auf sein Nicken hin zerrt ein Handlanger mein Mädchen noch näher heran und setzt ihr eine Pistole an die Schläfe.
Ich verdränge die Angst, lasse der Wut freien Lauf und greife in Sekundenschnelle durch den winzigen Schlitz in meinem Kleid. Dort steckt mein Deringer, der mir schon gute Dienste erwiesen hat. Ich schieße. Einmal, zweimal, so lange bis ich nur noch ein enttäuschendes Klicken höre. In Sekunden liegen seine Männer mit Löchern im Kopf auf dem Boden. Ich drehe mich um.
Seine Augen sind vor Schreck weit geöffnet. Seine Lippen beben. Er bewegt sich nicht. Meine Waffe drückt auf seine Schläfe. Dann greife ich nach der schwarzen Pille im Schmuckkästchen, lege sie ihm auf die Zunge und zwinge ihn zu schlucken.

 

***

 

„Willst du es nicht endlich öffnen?“
Ich muss blinzeln. Die Kerzen flackern ein wenig. Noch immer prasselt der Regen gegen die Scheiben.
„Wo ist mein Mädchen?“, frage ich.
Ungläubig runzelt er die Stirn. „Dein Mädchen? Woher weißt du ..?“
Mit einem überlegenen Lächeln greife ich nach der Schachtel und hebe den kleinen Deckel ab.

 

 


Mit diesem atemberaubenden Text macht die großartige Stefanie Bender unser #Projekt24 komplett. Mehr von Stefanie gibt es auf ihrer Homepage, auf Twitter, auf Facebook und natürlich auch auf Amazon.
Abschließend möchten wir uns bei allen Leserinnen und Lesern, aber auch bei den geschätzten Autorenkolleginnen und -kollegen vielmals bedanken. Ohne euch alle gäbe es kein #Projekt24. Danke, dass ihr dabei wart!

Wir wünschen euch eine schöne Weihnachtszeit!

23. Blind Date (PoiSonPaiNter)

Eigentlich konnte Anwyn Blind Dates nicht ausstehen und sie konnte sich auch nicht erklären, wie sie ihrer Freundin Sakia zustimmen konnte, „es doch einfach mal auszuprobieren“. Insgeheim vermutete sie, dass Sakia sie mit irgendeinem Zauber beeinflusst hatte.
Nun stand sie im Empfangsbereich des Restaurants und wäre am liebsten umgekehrt, auch wenn sie trotzdem ein bisschen neugierig war. Unschlüssig spielte sie mit der weißen Blume – eine Tulpe, die sie als Zeichen ausgemacht hatten – und hielt nach ihrem Date Ausschau.
Das Restaurant war voll mit den unterschiedlichsten Leuten. Dicht neben ihr flüsterten zwei Elfenmädchen aus einem anderen Clan miteinander, wahrscheinlich machten sie sich über sie lustig. Die förmliche Ausgehkleidung ihres Clans stand Anwyn einfach nicht und sie fühlte sich unwohl in dem viel zu starren und hellen Stoff. Sie war ein Freund von schlichter Gebrauchskleidung, aber Sakia hatte darauf bestanden.
Weiter hinten sah sie eine Gruppe Oger genüsslich einen großen Braten verschlingen.
Hinten in einer Ecke turtelte ein Menschenmann mit einer jungen Elfe.
Zu ihrer Linken entdeckte sie einen einzelnen Elfen, der gar nicht so schlecht aussah, allerdings konnte sie keine Blume bei ihm entdecken.
Schließlich kam die Bedienung auf sie zu, ein mitleidiges Lächeln auf den Lippen.
„Dein Date sitzt an dem Tisch am Fenster. Tut mir Leid für dich“, erklärte sie und klopfte Anwyn tröstend auf die Schulter.
Anwyn schluckte, als sie das kleine Gänseblümchen sah, das zwischen den großen Fingern des Orks hervorlugte. Großartig, dachte sie, das also war ihr Blind Date.
Es half nichts, nun war sie hier und die Elfenmädchen würden sie sicherlich nur noch mehr auslachen, wenn sie jetzt verschwand. Erhobenen Hauptes schritt sie auf den Tisch des Orks zu und baute sich davor auf. Als er sie nicht beachtete, räusperte Anwyn sich leicht.
Aus seinen Gedanken gerissen blickte er auf und sprang hoch.
„Hallo. Ich bin Goduk“, begrüßte er sie mit einem freundlichen Lächeln, dass aufgrund seiner hervorstehenden Hauer trotzdem angriffslustig wirkte, und streckte ihr die Hand entgegen.
Zögerlich ergriff Anwyn diese und stellte sich ebenfalls vor. Ihre eigene Hand verschwand in der Pranke des anderen. Peinlich berührt setzten die beiden sich und Goduk schlug vor, dass sie erstmal etwas bestellten.
Unsicher, wie es jetzt weiter ging, schwiegen sie und ließen ihre Blicke auf allem ruhen, nur nicht auf einander. Hin und wieder setzte einer der beiden zu einem Satz an, verstummte aber sogleich wieder.
Als schließlich ihr Essen auf dem Tisch stand, riss Goduk sogleich eine große Keule mit den Händen von seinem Braten ab, sodass das Fett nur so spritzte und die Knochen knackten. Er war gerade dabei genüsslich hineinzubeißen, als er Anwyns angewiderten Blick sah. Beschämt hielt er inne, legte das Fleisch zurück, wischte sich die Hände am Tischtuch ab und griff nach dem Besteck. Vor sich hin grummelnd versuchte er ein Stück Fleisch abzuschneiden, aber das Messer war einfach nicht scharf genug. Schließlich warf er es genervt auf den Tisch und zog seinen eigenen Dolch aus der Gürtelhalterung.
Anwyns Augen weiteten sich. „Ist das Obsidian?“
„Äh, ja“, bestätigte Goduk verdutzt und hielt ihr den Dolch hin.
Anwyn nahm ihn andächtig entgegen und drehte ihn vorsichtig in ihren Händen.
„Dolche wie der sind schwer zu bekommen“, murmelte er beiläufig.
„Ich weiß. So ein schönes Stück und du benutzt ihn, um Fleisch zu schneiden“, schalte sie ihn und gab den Dolch zurück.
„Jah. Es tut mir auch in der Seele weh, aber ich habe mein anderes Messer zu Haus gelassen und gedacht, ich brauche es nicht“, gab er geknickt zu.
„Wolltest du mich mit dem Dolch beeindrucken?“, wollte Anwyn verwundert wissen.
„Hat es denn funktioniert?“, fragte Goduk stattdessen und klang ein wenig nervös.
„Er ist hübsch anzusehen, aber um mich zu beeindrucken, musst du schon mit mehr aufwarten“, erwiderte Anwyn herausfordernd.
„Wie wäre es mit einem ganzen Schwert aus Obsidian?“
„Du – Das sagst du doch nur so!“ Anwyn ließ ihre Gabel klappernd auf ihren Salatteller fallen.
„Nein! Zu Hause haben wir ein altes Ritualschwert von einem meiner Ahnen. Es ist aus reinstem Obsidian und Griff und Schneide sind mit Knochen und Diamanten versehen“, versicherte Goduk mit leuchtenden Augen.
„Warte.“ Goduk holte sein Smartphone hervor, das viel zu klein wirkte für seine großen Hände.
Kurz darauf zeigte er Anwyn ein Bild des Schwertes als Teil einer Waffensammlung.
„Wow“, entfuhr es Anwyn erstaunt und sogleich fingen die beiden an, darüber und über andere Waffen zu fachsimpeln und vergaßen dabei fast das Essen.
Bis spät in die Nacht saßen sie da und unterhielten sich. Schließlich war es die Bedienung, die ihr Date beendete und sie zu gehen bat. Vor dem Restaurant verabschiedeten sich die beiden mit einem Händedruck, nachdem sie Nummern ausgetauscht hatten.
„Du bist gar nicht so übel für einen Ork“, neckte Anwyn ihn mit einem aufrichtigen Lächeln.
„Du auch nicht für eine Elfe“, erwiderte Goduk.

 


Text Nr. 23 unseres #Projekt24-Adventskalenders stammt von der fabelhaften PoiSonPaiNter. Mehr von und über sie findet ihr auf ihrem Blog, auf Facebook und auf Twitter. Wir möchten an dieser Stelle auch auf ihren wunderbaren Choose-your-own-Adventure-Adventskalender hinweisen!

22. Erwischt (Britta Bendixen)

Sie kommt zur Tür herein, atemberaubend schön. Sieht sich um, bis sie mich entdeckt. Die Kellner und die männlichen Gäste sehen ihr verstohlen hinterher, als sie mit einem strahlenden Lächeln auf mich zukommt. Ich stehe auf und bemerke amüsiert, wie neidisch mich die anderen Männer mustern.
„Entschuldige, dass ich zu spät bin, meine Mutter hat noch angerufen, sie war mit ihrem Hund beim Tierarzt, doch der kann nicht herausfinden, was ihm fehlt, und obendrein hat ihre Schwester nächste Woche runden Geburtstag und Mama hat noch kein Geschenk und wollte ausgerechnet von mir wissen, was sie ihr schenken soll, dabei kenne ich die Frau kaum.“
Während Janine so vor sich hin plappert, zieht sie sich die elegante Jacke aus, hängt sie über den Stuhl, setzt sich mir gegenüber hin und beginnt, in der Speisekarte zu blättern. „Was nimmst du? Ich glaube, ich bestelle nur einen Salat. Heute Mittag war ich mit einer Kollegin beim Italiener um die Ecke, Spaghetti mit Pesto, die waren superlecker, jedenfalls habe ich deshalb gar nicht so viel Hunger.“
Der Kellner kommt und nimmt unsere Getränkewünsche auf. Als er weg ist, greife ich über den Tisch nach Janines Hand und sehe ihr tief in die Augen. „Also, ich habe einen Bärenhunger. Kein Wunder, der Sex letzte Nacht war unglaublich.“
Sie kichert.
Mein Blick fällt über ihre Schulter zur sich öffnenden Eingangstür. Rasch ziehe ich meine Hand zurück. „Oh Gott.“
Janine sieht mich irritiert an. „Was ist?“
„Darling“, sage ich eindringlich, „was auch immer gleich geschieht, bitte vergiss nicht, dass ich dich anbete.“
Ihre großen blauen Augen blicken mich verständnislos an. Dann steht Sarah auch schon an unserem Tisch.
„Deine Sekretärin sagte mir, wo du bist“, faucht sie. „Du solltest ein bisschen vorsichtiger sein, wenn du beim Betrügen nicht erwischt werden willst.“
„Michael, wer ist diese Frau?“, fragt Janine irritiert.
„Janine, das ist Sarah.“ Ich stocke kurz. „Sie ist … äh …. Ich meine, wir sind …“
Sarah schnaubt. „Na los, sag es ihr, du jämmerlicher Feigling!“ Sie wendet sich an Janine und hält ihr die rechte Hand entgegen. An ihrem Ringfinger glänzt ein schmaler Goldreif mit Diamant. „Damit Sie es wissen, ich bin seine Frau und zu Hause warten unsere beiden Kinder auf ihn. Übrigens sind Sie nicht die Erste, der er erzählt hat, er wäre single.“
Janines Augen werden noch um einiges größer. „Michael, stimmt das?“
Ich winde mich unbehaglich. „Naja, also …“
„Ich fasse es nicht!“ Janine steht abrupt auf. „Du bist genauso ein Arsch wie alle anderen. Auf Nimmerwiedersehen, du elender Mistkerl!“ Sie schnappt sich vor Wut bebend Jacke und Tasche und rauscht aus dem Restaurant.
Wir sehen ihr schweigend nach, genau wie die Gäste und die Kellner. Als sie verschwunden ist, setzt Sarah sich seelenruhig auf ihren Platz und zieht den funkelnden Ring von ihrem Finger.
„Danke, dass du gekommen bist, bevor die Getränke gebracht wurden“, sage ich.
Sie lacht. „Ja, ich erinnere mich noch an den Zwischenfall mit der heißen Tomatensuppe. Wie du siehst, habe ich daraus gelernt.“
Ich verziehe in Erinnerung daran das Gesicht. „Das hat ganz schön wehgetan.“
Sie schmunzelt und verschränkt dann die Unterarme auf dem Tisch. „Warum wolltest du sie eigentlich loswerden? Sie ist doch ganz dein Typ.“
Der Kellner bringt die Getränke und stellt sie vor uns ab. Seine Augenbraue ist indigniert nach oben gezogen, doch er sagt kein Wort über die Szene von eben oder darüber, dass nun eine andere Frau bei mir am Tisch sitzt.
Als er wieder verschwunden ist, beantworte ich Sarahs Frage. „Sie ist eine tolle Frau, rein optisch gesehen. Doch sie redet wie ein Wasserfall. Das kann ich auf Dauer einfach nicht ertragen.“
„Dann ist sie das komplette Gegenteil von Paul. Der spricht gefühlt höchstens zehn Wörter am Tag.“ Sarah nimmt das Weinglas und hält es mir entgegen.
„Morgen treffe ich mich mit ihm. Dann bist du dran. Abgemacht ist abgemacht.“
„Versprochen. Dafür hat man schließlich Freunde, oder?“, erwidere ich.
Mit einem verschwörerischen Lächeln stoßen wir an.

 


Mit diesem tollen Text von Britta Bendixen haben wir bereits den 22. Dezember „erwischt“. Bleiben noch zwei Texte übrig! Mehr von Britta findet ihr auf ihrer Homepage, auf ihrer Facebook-Seite und natürlich auf Amazon.

21. All you can eat (Alisha Mc Shaw)

Schnaufend setzte Aleyna die Einkaufstüten an der Haustür ab und schloss diese auf. „Heute koche ich ein tolles Abendessen“ hatte sie getönt. Noyan hatte nur belustigt mit den Ohren gezuckt. Ebenso stillschweigend akzeptierte er ihren Wunsch, den Abend in ihrer Heimat zu verbringen. Es war das erste Mal, dass sie zu Hause war, seitdem sich die ihr bekannte Welt einmal komplett gedreht hatte.
Sie trug die Einkäufe in die Küche und machte sich daran, das versprochene Abendessen zuzubereiten. Zufrieden schob sie nach einer Weile alles in den Backofen, wusch sich die Hände und schlenderte ins Wohnzimmer. Ihre Augen wanderten weiter zu Noyan, der vor dem Kamin lag und offensichtlich schlief.
Just da hob er träge ein Lid und musterte sie, bevor er sich aufrappelte. „Na, erfolgreich gewesen?“ Sie hatte sich noch immer nicht daran gewöhnt, dass er ihr neuerdings wie ein Schatten folgte. Erst nach einer handfesten Diskussion hatte er sie heute allein einkaufen lassen.
„Natürlich!“, erwiderte sie patzig und ließ sich in ihren Lieblingssessel plumpsen. Er folgte ihr, sank vor ihren Füßen zu Boden und bettete den Kopf in ihren Schoß. Wie von allein glitt ihre Hand in seinen Nacken und kraulte ihn. Sie ärgerte sich darüber, wie selbstverständlich sie auf seine Anwesenheit reagierte.
„Was gibts denn zu essen?“, erkundigte er sich, während seine Körperwärme behaglich auf sie abstrahlte.
„Ich mache Steaks mit Ofenkartoffeln und als Nachspeise Vanillepudding“, zählte Aleyna auf, „Apropos Steak. Wie möchtest du deines am liebsten?“
Unter ihrer Hand spürte sie das Vibrieren seines Körpers. Er lachte.
„Wie ich mein Steak am liebsten möchte? Ernsthaft?“
„Ja, warum denn nicht?“ Dass dieser verdammte Mistkerl sich auch immer über sie lustig machen musste.
„Also gut …“ Er seufzte. „Ich esse mein Steak am liebsten roh, blutig und äußerst lebendig.“
Sie zuckte zusammen.
Er entzog ihr den Kopf und sah sie fragend an.
„Du bist so ein Arsch!“
„Was hast du erwartet? Ich bin ein Wolf!“
Wütend sprang sie aus ihrem Sessel und baute sich vor ihm auf. „Du hast ungehobelt und überheblich vergessen! Ist es denn zu viel verlangt, einen Abend lang eine ganz normale Frau zu sein?“ Wütend drehte sie sich um und stürmte in die Küche.
Ja, Noyan hatte Recht, er war ein Wolf. Ein Gestaltwandler, um genau zu sein. Und sie war ebenfalls einer. Und als wäre das nicht schon genug, nein, sie war auch noch etwas Besonderes! Ein Alphatier.
Vor ein paar Wochen war er auf der Beerdigung ihres Vaters aufgekreuzt, hatte diese unglaublichen Dinge über ihre Herkunft offenbart. Seither war nichts mehr wie vorher, deswegen folgte Noyan ihr auf Schritt und Tritt. Weil es seine Aufgabe war, sie zu beschützen. Oh, wie sie es hasste.
Vor der Alphatier-Geschichte war es so einfach zwischen ihnen gewesen. Unkompliziert. Nicht so wie jetzt, wo er ihr ständig unter die Nase rieb, dass er auf sie aufpassen musste.
Wütend über einfach alles deckte sie den Tisch und öffnete den Backofen. Augenblicklich zog der wunderbare Duft von Knoblauch und Basilikum unaufhaltsam durch die Küche. Aleyna hielt inne, sog die Gerüche auf und die Vorfreude auf das Essen beruhigte ihren Herzschlag, besänftigte ihre schlechte Laune
Als die Küchentür aufschwang, fuhr sie herum. Die restliche Wut verpuffte mit einem Schlag, überrascht starrte sie ihn an.
Noyan hatte gestaltwandelt, trug jetzt Jeans und T-Shirt und seine schulterlangen Haare waren zu einem Zopf gebunden. Mit verschränkten Armen lehnte er am Türrahmen und musterte sie.Dann stieß er sich ab und nahm am Küchentisch Platz.
Wortlos servierte sie Steaks und Ofenkartoffeln, ehe sie sich ihm gegenüber setzte.
„Dein Abend, deine Regeln, okay?“, fragte er leise, als sie weiterhin schwieg, und räusperte sich. „Ich bin nun mal ein Wolf und mehr als meine ungehobelte und überhebliche Gesellschaft habe ich nicht zu bieten. Für mich ist diese Situation genau so neu wie für dich.“
Solche Worte aus Noyans Mund kamen fast einer Entschuldigung gleich. Aleyna seufzte leise, ehe sie schließlich nickte und ihm dabei zusah, wie er das Besteck ergriff und sein Steak zerteilte. Der erste Bissen verschwand in seinem Mund und er fing an zu kauen. Noyans Augen weiteten sich. Er sah sie erstaunt an.
Ein Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht. „Gut, ne? Und das, obwohl es schon tot ist!“
Sein Schnaufen war die einzige Antwort, doch die Geschwindigkeit, mit der er seinen Teller leerte, sprach Bände. In der Zeit, in der sie mit Mühe ein einziges Steak und eine Kartoffel schaffte, hatte Noyan seinen Teller zweimal nachgefüllt.
Nachdem auch der Nachtisch aufgegessen war, lehnte er sich ächzend zurück und rieb sich den Bauch. „Frag mich nochmal, wie ich mein Steak möchte.“
Irritiert sah sie ihn an. „Bitte?“ Hatte er sie für heute nicht schon genug herausgefordert?
„Du sollst mich fragen, wie ich mein Steak möchte“, wiederholte er leise.
Sie seufzte. „Also gut. Wie möchtest du dein Steak?“
Noyan erhob sich und schob seinen Stuhl um den Tisch herum an ihre Seite. Dann griff er nach ihrer Hand und drückte sie leicht.
„Ich möchte mein Steak mit dir. Und mit niemandem sonst.“

 


Schon der 21. Text! Bald ist Weihnachten! :-)
Diesen Text hat die talentierte Alisha Mc Shaw verfasst. Mehr über Alisha und ihr Schreiben könnt ihr auf ihrer Homepage und auf ihrer Facebook-Seite finden. Außerdem findet ihr hier ihre Amazon-Seite mit ihren bereits erschienenen Büchern.

20. Der Elefant im Porzellanladen (Angela Best)

Ich wusste absolut nicht, was er sich dabei dachte. Wir waren doch keine kleinen Kinder mehr, die sich bei einander entschuldigten, sich die Hand gaben und dann hinter dem Rücken weiter den Hass verbreiteten, den sie für einander empfanden.
Nein, wir trugen unseren Kampf auf einer ganz anderen Ebene aus.
„Könntest du bitte aufhören, mich niederzustarren?“
Eigentlich hatte ich gehofft, dass er bei meinem ultra-tödlichen Blick wirklich einfach so vom Stuhl fiel. Aber das Schicksal vermieste mir auch echt alles. Anscheinend waren wir dazu bestimmt, uns noch eine ganze Weile länger gegenseitig auf den Keks zu gehen. Scheiße.
„Deine Argumentation …“, ich geriet kurz ins Stocken. Der Kerl machte mich rasend. Wie konnte er nur! „… ist alles andere als gut. Ich hoffe, dass ist dir in deinem kleinen Erbsenhirn bewusst. Obwohl, nein, sonst hättest du sie überhaupt nicht durchgezogen.“
Ich war sauer. Und zwar so richtig.
„Bloom, komm schon.“ Er setzte seinen Hundeblick ein.
Seinen verdammten Hundeblick aus seinen scheißperfekten grünen Augen. Unmenschlich grünen Augen. Nein, Bloom, du denkst jetzt nicht an seine Augen!, ermahnte ich mich selbst und merkte zeitgleich, wie die Kette um meinen Hals meine Emotionen widerspiegelte und beständig wärmer wurde.
„Ich werde garantiert nicht so tun, als wäre ich deine verdammte Ehefrau!“, fauchte ich ihn an.
Wir ernteten schon erste irritierte Blicke von anderen Gästen.
Ich war so wütend, dass ich fast vergessen hatte, wo wir uns befanden. Aber eigentlich war es mir egal. Mir entwich ein Knurren. Wie konnte er nur so dreist sein! Schließlich war ich nicht seine Leibeigene, die alles tun musste, was er verlangte. „Ich frage dich das doch nicht, weil ich dich benutzen möchte, sondern weil ich dich wirklich gerne um mich herum hätte, wenn dieses Treffen stattfindet …“
„Du kannst dir dein Treffen sonstwohin stecken!“
„Bloom …“
„Nein!“
„Lass mich doch …“
„Ich. Werde. Nicht. So. Tun. Als. Ob!“, schrie ich ihn nun wirklich an. Die Kette brannte nun förmlich auf meinem Dekolleté. Nicht gut. Mir egal, ob wir nun endgültig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aller anderen Restaurantbesucher standen. Er konnte nicht von mir erwarten, dass ich ihm auch noch dabei half, seinen dämlichen Job auszuüben. Außerdem fühlte ich mich wirklich nicht wohl bei dem Gedanken, dass er sagte, er hätte mich gerne um sich herum. Was hatte er bloß gefrühstückt, dass er seine Scheißideen jetzt auch noch an mir auslassen musste? War ja nicht so, dass wir nicht schon genug zu tun hatten.
„Es geht dir also bloß darum, dass du so tun sollst, als würdest du mich mögen und mich einen Abend lang einmal nicht angiftest, wie du es sonst und auch momentan tust?“
Mist, er nutzte es voll aus, dass ich mit meinen Gedanken abgedriftet war.
„Ich kann dir versichern, dass es mir nicht darum geht. Eigentlich bin ich mir überhaupt nicht mehr sicher, worum es mir wirklich geht, aber das ist jetzt nebensächlich.“ Da, schon wieder! Er verleugnete immer alles, was ihm wichtig war.
„Dir ist bewusst, dass mir sehr wohl auffällt, wenn du immer um den Brei herum redest, wenn dir etwas wichtig ist und deine menschliche Seite zum Vorschein kommt? Manchmal denke ich wirklich, du hast Angst vor deinen eigenen Gefühlen“, stellte ich mit leiser Stimme fest. Ich sah ihn dabei direkt an.
Die widersprüchlichsten Gefühle spiegelten sich auf seinem sonst wie versteinert wirkenden Gesicht.
Ich sah, wie er versuchte, den Kloß in seinem Hals hinunterzuschlucken.
„Ich hätte dich einfach nur gerne dabei“, sagte er nach einer halben Ewigkeit so leise, dass ich es kaum verstand.
Jetzt war ich diejenige, die schlucken musste. So emotional hatte ich ihn wirklich noch nie erlebt. Die Kette begann, eine angenehme Wärme auszustrahlen, die mich einlullte und sentimental machte. Auf der Stelle bereute ich es, dass ich so harsch zu ihm war. Und ich wurde neugierig, um was für ein Treffen es sich handelte. Nachzufragen, hätte meinen Stolz aber noch mehr gekränkt. Ich versuchte weiterhin, taff zu wirken.
Verdammt.
Warum musste ich auch immer in die Porzellanstube trampeln wie ein Elefant? Aber manchmal war es wirklich schwer vorstellbar, dass hinter seinem steinharten Auftreten ein Mensch steckte, der ebenfalls Gefühle besaß. Es war so schon schwierig genug, irgendwie mit ihm zu reden, geschweige denn, mit ihm zusammenzuarbeiten. Wir hatten in den letzten Wochen wirklich verdammt viel durchgemacht. Warum schockierte es mich nun so sehr, dass er einmal Gefühle zeigte?
Ein Räuspern ließ uns beide zusammenzucken.
Der Kellner stand vor unserem Tisch und stellte unsere Gerichte vor uns ab.
Ich wusste noch nicht einmal genau, was ich da vor mir hatte. Mister Ich-Weiß-Alles-Besser hatte einfach bestellt.
Es roch zumindest nicht schlecht. Trotz meines schlechten Gewissens konnte ich meinen skeptischen Blick nicht zurückhalten.
„Probier einfach und dank mir später.“ Da war wieder sein selbstsicheres Grinsen.
Arschloch. Wieso hatte ich eigentlich ein schlechtes Gewissen? Er hatte so ein gewaltiges Ego, irgendjemand musste ihn auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Ich versuchte alles zu ignorieren und probierte einfach.
Meine Güte.
Es war köstlich. Ich schloss kurz die Augen, kostete den Geschmack voll aus.
Sekunden später hörte ich mich wie von selbst sagen, dass ich ihn zu diesem dämlichen Treffen begleiten würde.
Er lächelte.

 


Text Nr. 20 wurde von der wundervollen Angela Best zu unserem #Projekt24 beigesteuert. Mehr über Angelas Schreiben findet ihr auf ihrer Facebook-Autorenseite und auf Instagram, außerdem betreibt sie den Buchblog „Wortgewaltig„.

19. Die Fliege in der Suppe (Michael Behr)

Kein Mann schaffte es, das Restaurant zu betreten, ohne ihren Körper zu studieren. Nicht einmal die in weiblicher Begleitung. Doch jetzt tauchte der einzige Mann auf, der erwartet wurde.
HeisseKatze32 stand auf, strich sich ihr enganliegendes und an allen relevanten Stellen sehr kurzes Kleid glatt und lächelte ihm entgegen. Langsam näherte er sich, scannte sie förmlich und hielt ihr dann die Rose, das Erkennungszeichen, hin.
„Hallo.“ Seine Stimme war tief und fest. Das gefiel ihr. Sie ignorierte die ausgestreckte Hand und umarmte den Mann, den sie als BigBoss57 kannte. So, dass er die Wölbung ihres Busens spürte.
„Ich freu mich!“ Die Blume wechselte den Besitzer und sie setzten sich einander gegenüber. Bei dem wie aus dem Nichts erscheinenden Kellner bestellte er eine Flasche Champagner.
Ein Schweigen entstand, aber HeisseKatze32 wusste, wie sie das Gespräch in Gang bringen konnte. „Hast du dir die Sache noch einmal überlegt?“ Sie zwinkerte ihm zu.
Er schüttelte den Kopf. „Nein, wir waren uns doch einig.“
„Andere haben dann doch gekniffen, als es ernst wurde.“ Sie strich sich ein Staubkorn vom Saum ihres Ausschnitts.
Er lächelte. „Ich glaube, die wussten nicht, was sie verpassen.“
„Heißt das, ich gefalle dir?“
BigBoss57 nickte. „Sehr sogar!“
HeisseKatze32 lächelte hintergründig. Sie hob das Champagnerglas und prostete ihm zu: „Cheers.“
Er erwiderte den Toast und trank.
HeisseKatze32 wusste, dass er sie nicht aus den Augen ließ. Alles Zögern war von ihm abgefallen. Nun sah sie ihn, wie er sich gerne präsentieren wollte. So, wie er sich im Chatroom präsentiert hatte.
Der Kellner brachte die Speisekarte.
HeisseKatze32 blätterte darin herum, liebäugelte mit einigen der teureren Positionen.
BigBoss57 ließ die Karte sinken und schaute sie an. „Glaubst du, Muschelsuppe könnte funktionieren?“
„Hast du Lust auf Muscheln?“
„Ich habe Lust darauf, eine Auster zu schlürfen.“
Sie kicherte ob der Anzüglichkeit. „Muschelsuppe wäre prima.“
BigBoss57 winkte dem Kellner und gab, ganz selbstverständlich, eine Bestellung für sie beide ab. Dabei ließ er sie seine Eloquenz ebenso spüren wie seine dicke Brieftasche.
Danach betrieben die beiden ein wenig belanglose Konversation. Die interessanten Gespräche, die hatten sie ja schon im Chat miteinander geführt. HeisseKatze32 war gespannt, ob er seinen Worten auch Taten folgen lassen würde.
Als die Suppe aufgetragen war, griff HeisseKatze32 in ihre Handtasche und holte das Fläschchen hervor.
Die geheime Zutat.
„Ist es das?“ BigBoss57 schaute die Flasche skeptisch an. „Es sieht aus wie normales Wasser.“
„Wäre dir giftgrün lieber?“
„Nein, ich …“ Er brach ab, schaute aber weiter die Flasche an.
„Wenn du es doch lieber bleiben lassen möchtest …“ HeisseKatze32 machte Anstalten, das Fläschchen wieder einzustecken.
BigBoss57 schüttelte schnell den Kopf. „Nach dem, was du mir erzählt hast, bin ich neugierig.“
„Echte spanische Fliege – nicht das verwässerte Zeug aus dem Sexshop.“ HeisseKatze32 schwenkte den Inhalt ein wenig. „Es wird dir viel Energie geben. Und es wirkt schnell.“
Er rutschte auf seinem Stuhl hin und her. „Du meinst, wir kommen gar nicht bis zum Dessert?“
Aufgeregt wie ein kleines Kind, dachte HeisseKatze32. Sie kicherte leise. „Oder wir ziehen das Dessert vor!“
Da fasste er seinen Entschluss. „Gib sie mir.“
Sie reichte ihm das Fläschchen, dessen Inhalt er nach einem misstrauischen Rundumblick in die Muschelsuppe einrührte. Danach begann er eilig zu löffeln.
Auch HeisseKatze32 widmete sich nun ihrer Suppe. Sie fragte sich, wie lange es wohl dauern würde …
Nach drei Minuten war es soweit.
„Das schmeckt seltsam.“ BigBoss57 legte den Löffel in den Teller und machte ein angewidertes Gesicht.
„Bei mir ist alles in Ordnung.“ HeisseKatze32 aß ungerührt weiter.
„Das muss das Zeug aus der Flasche sein.“
Jetzt erst blickte sie auf. „Wonach schmeckt es denn?“
BigBoss57 suchte nach den richtigen Worten. „Irgendwie bitter, mit Mandelnote …“
„Stimmt, Bittermandel schmeckt so.“
„Wieso Bittermandel?“
„Es ist Zyanid.“
„Zya… was?“ Er riss erschrocken die Augen auf. „Ist das nicht …“
„Blausäure.“ HeisseKatze32 ließ den Löffel sinken und schaute BigBoss57 aufmerksam an. „Zyanid ist Blausäure.“
Entsetzen lag in seinen Augen, als BigBoss57 aufsprang und dabei seinen Stuhl umwarf.
Einige Gäste an anderen Tischen begannen zu tuscheln.
„Wieso?“ Er zitterte.
HeisseKatze32 schenkte ihm ihr strahlendstes Lächeln. „Wieso nicht? Du solltest zukünftig vorsichtiger damit sein, dir von wildfremden Frauen unbekannte Dinge in die Suppe rühren zu lassen.“ Dann schlug sie mit gespielter Bestürzung die Hand vor den Mund. „Oh, stimmt: Das mit der Zukunft wird schwierig!“
BigBoss57 würgte, wirbelte herum und rannte in Richtung der Toiletten. Ein gerade von dort kommender Gast konnte gerade noch aus dem Weg springen.
HeisseKatze32 sah ihm nach und griff dann erneut in ihre Handtasche. Diesmal holte sie ein Smartphone hervor und wählte eine Nummer.
„Guten Abend, Frau Jehlen. Ja, es hat geklappt. Sie erhalten dann meinen Bericht … Das wünsche ich Ihnen auch.“
BigBoss57 würde sich in zweifacher Hinsicht wundern: Zum einen, dass er den heimtückischen Anschlag mit hochkonzentriertem Bittermandelaroma unbeschadet überleben würde. Und zum anderen, dass Frau Jehlen, auch bekannt als Ehefrau55, ihm die nähere Zukunft zur Hölle machen würde.
HeisseKatze32 steckte das Smartphone weg und verließ das Restaurant. Draußen winkte sie ein Taxi heran und stieg ein. Auf der Rückbank nahm sie das Smartphone wieder zur Hand, loggte sich im Chatroom ein und schrieb:
„Hallo, SugarDaddy62! Mein Name ist SteilerZahn27 und ich würde dich gerne kennenlernen …“

 


Diese „Fliege in der Suppe“ hat der fabelhafte Michael Behr zu unserem #Projekt24-Kalender beigetragen. Mehr über Michael findet ihr auf seinem Blog, seiner Facebook-Seite und auf Twitter.