Disco Disco

In einem Zug leert sie das Glas, dumpf knallt es auf den Tresen. Ihre Finger trommeln unruhig im Takt der Musik, ihr Blick streift durch den Raum, bleibt immer am selben Ort hängen.
Dort, in der Ecke, auf dem roten Polstersofa sitzt er. Blonde Strähnen hängen ihm ins Gesicht. Ihr Herz rast, scheint ihre Brust zu sprengen. Seine weißen Zähne blitzen durch den Raum, die oberen Knöpfe seines Hemdes sind offen…
Ein weiteres Glas ist leer, der Alkohol erfüllt sie mit Hitze, mit Mut. Sie erhebt sich, überquert die Tanzfläche, baut sich vor ihm auf.
„Das ist mein Platz!“

Kein Kind mehr

Wie konnte sie das wagen! Diese elende Schlampe! Zornig schlug Matt die Autotür zu und steckte mit zitternden Fingern den Schlüssel ins Zündschloss. Der Motor begrüßte ihn mit einem freudigen Schnurren und heulte begeistert auf, als er aufs Gaspedal drückte. Wofür hielt sie ihn? Für ein Kind? Er war alt genug, um auf sich selbst aufzupassen! Er wusste, was er sich zumuten konnte! Er war erwachsen. Er brauchte keinen Babysitter, brauchte keine dahergelaufene Tussi, die ihn bemutterte. Er war sich seiner Verantwortung sehr wohl bewusst. Aber nein, sie wusste ja alles besser!
„Du hast zu viel getrunken!“
Pah. Er hatte nur mit Onkel Tom angestoßen. Und mit Olivia. Außerdem hatte er die Einladung, Georges selbst gebrannte Schnäpse zu probieren, nun wirklich nicht ausschlagen können. Wie hätte denn das ausgesehen? Als wäre er undankbar und verwöhnt.
„Gib mir die Autoschlüssel, Matt.“ Wie ein kleines Kind hatte sie ihn aussehen lassen. Blöde Schnepfe…. sollte sie doch selbst sehen, wie sie nach Hause kam! Das lag nun wirklich nicht mehr in seiner Verantwortung, sollte sie doch sehen, was sie davon hatte….
Als er auf die Landstraße einbog, schnitt ihm plötzlich von rechts ein Baum den Weg ab.