Adventskalender 2014: Türchen 23

„Bis später, Schatz.“ Jochen gab ihr einen Kuss.
„Bis später.“
Krachend fiel die Tür hinter ihm ins Schloss. Laura atmete tief durch und verkniff sich einen kleinen Freudenschrei. So sehr sie Jochen liebte – es hatte doch gravierende Vorteile, allein zu wohnen.
Er würde sicherlich eine gute Stunde benötigen, um in die Stadt zu fahren, Einkäufe zu erledigen und wieder nach Hause zu fahren. Vielleicht sogar länger.
Mindestens eine Stunde – und die gehörte nur ihr. Nach all den Wochen voller Trubel hatte sie sich etwas Erholung redlich verdient. Weihnachtseinkäufe, den Weihnachtstress auf der Arbeit schaukeln, sich an eine neue Schwiegermutter gewöhnen, mit einem pubertierenden Nachbarsjungen eine Fehde auszutragen und sich zu allem Überfluss noch der Neugierde seiner Mutter erwehren – all das war kein Kinderspiel, sondern zehrte so langsam an ihren Nerven. Zeit für ein Entspannungsbad.
Flink sauste sie die Treppe hinauf ins Schlafzimmer, fischte sich frische Unterwäsche aus dem Schrank und blieb kurz vor dem Bücherregal stehen – Jochen hatte gemeint, sie müsse unbedingt das Buch mit diesem Jungen lesen, der einen weißen Stein suchte… da ihre eigenen Bücher aus Platzmangel alle in einem Pappkarton auf dem Speicher gelandet waren, blieb ihr wohl nichts anderes übrig.
Sie schnappte sich schnell ihren iPod von der Ladestation und flitzte ins Bad. Sie warf ihre Kleider achtlos auf den bereits aufgetürmten Wäschestapel auf der Wäschetrommel, stöpselte sich den iPod ein und versuchte angestrengt, sich für eines ihrer tausend Badesalze zu entscheiden. Schließlich entschied sie sich für Erdbeere – das mochte zwar unweihnachtlich sein, aber auch von Weihnachten musste mal etwas Pause sein.
Voller Vorfreude wandte sie sich der Badewanne zu. Die Flasche mit dem Badesalz fiel klirrend zu Boden und zerstob in tausend Splitter.
„Hallo Laura.“ Dorothea war bis zum Hals im Badeschaum abgetaucht. „Ich fürchte, für zwei ist hier kein Platz.“

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Adventskalender 2014: Türchen 10

Vorsichtig legte Laura ihre Sachen auf den Deckel der Wäschetrommel und warf dabei einen schuldbewussten Blick auf das kleine Tischchen neben dem Waschbecken, das bis zum Rand mit kleinen Tuben, Tigeln, Bechern, Büchsen und Dosen zugestellt war.
Bisher hatte Jochen nichts über diese riesige Sammlung an Kosmetikartikeln gesagt, aber sie war sich sicher, dass er nicht gut hieß, dass sie das ganze Bad mit ihrem Kram zugestellt hatte. Aber wo hätte sie ihn sonst lagern sollen? Dies war ein Männerbad, es gab nur einen winzigen Schrank und ein ein kleines Regal für Handtücher. Als Jochen es eingerichtet hatte, musste er jede Hoffnung auf weiblichen Besuch aufgegeben haben …. oder wollte er damit weibliche Untermieter fernhalten?
Sie grinste, als ihr die Szene aus dieser Fernsehserie in den Sinn kam, in der so ein Macho im Anzug sogar ein Klo mit selbsthochklappendem Sitz deswegen installiert hatte….
Da kann ich mich mit Jochen ja noch glücklich schätzen. Sie überzeugte sich, dass der Stapel mit frischer Kleidung wirklich sicher auf der Wäschetrommel lag und nicht herunterfallen würde. Zwar hatte sie nicht vor, schon wieder das Bad zu fluten, aber man wusste ja nie …
Sie zog ihre Hose aus und warf sie achtlos neben die Trommel, um das logistische Problem des Hineinschmeißens bei beladenem Deckel zu umgehen.
Sie beugte sich kurz über das Waschbecken, kontrollierte den kleinen Mückenstich am Hals – und erblickte im Hintergrund ihres Spiegelbildes eine Bewegung. Was war das?
Laura zwang sich, nicht sofort herumzuwirbeln. Stattdessen beschäftigte sie sich umso eingehender mit dem Mückenstich, drehte sich langsam um und trat ans Fenster. Sie fuhr sich mit einer Hand durch die Haare, glitt langsam an ihrem Hals herab, hielt beim Kragen ihrer Bluse inne und öffnete langsam den obersten Knopf, dann den nächsten. Ihr Blick schweifte über das Nachbarhaus, das unschuldig die Morgensonne genoss und auf seinem Balkon ein paar Vögel verköstigte. Die Fenster waren, abgesehen von einigen wenigen Zimmerpflanzen völlig verwaist …
Da! Sie öffnete weitere Knöpfe, streifte die Bluse ab. In einem Fenster im ersten Stock war kurz das picklige Gesicht des Nachbarsjungen aufgetaucht. Dreckiger kleiner Spanner….
Laura grinste, winkte dem Jungen zu, öffnete einhändig ihren BH – und ließ im selben Moment die Jalousie herunter.