In eigener Sache: NaNoWriMo

Jenen, die mir auch auf Twitter folgen, wird es vielleicht schon aufgefallen sein, dass ich klamm heimlich mein in die Jahre gekommenes Profilbanner ausgetauscht habe. Nun ziert ein NaNoWriMo-Banner meine Seite:

NaNo-2015-Participant-Banner

Damit ist die Katze wohl aus dem Sack: Ich nehme dieses Jahr am National Novel Writing Month teil. Für die, die es nicht kennen: Vor vielen Jahren hatte der Amerikaner Chris Baty eine bahnbrechende Idee. Seit Ewigkeiten wollte er schon einen Roman schreiben, hat es aber immer wieder vor sich hergeschoben. Also hat er sich mit seinen Freunden zusammengesetzt, gesagt „Wir alle schreiben jetzt diesen Monat einen Roman“ und damit den National Novel Writing Month erfunden. Nun, viele Jahre später, ist diese Schnapsidee zu einem globalen Event angewachsen, bei dem rund um den Globus tausende Menschen gleichzeitig im November einen Roman zu schreiben versuchen. Es gilt, in dieser Zeit nicht weniger als 50.000 Wörter zu schreiben.

Dabei geht es nicht darum, den perfekten Roman sofort hinzuklotzen – die Idee ist vielmehr, durch diese kollektive Anstrengung endlich die Rohfassung fertig zu stellen. Oder wenigstens einmal mit ihr anzufangen. Gegen das Prokrastinieren und so, weil Gruppenzwang.

Mein erstes (und letztes) Mal war 2010. Seit dem ging sich für mich eine Teilnahme nicht mehr aus. Dieses Jahr habe ich aber endlich wieder Zeit und springe daher auf den NaNo-Zug auf.

Falls jemand unter meinen Lesern auch am NaNoWriMo teilnimmt: Nur heraus damit! Ich freue mich immer über neue Writing Buddys. Ihr findet mich als fruehstuecksflocke auf der NaNoWriMo-Seite.

In stockfinstrer Nacht

Licht flammte auf und drang erbarmungslos durch ihre Lider, verwandelte die Welt ihrer Träume in ein blutrotes Meer. Ein unwilliges Brummen entfuhr ihr, sie hob reflexartig den Arm, um ihre Augen zu beschatten – vergebens. Das Licht war überall, der Schlaf dahin.

Sie blinzelte angestrengt, konnte aber durch den unerwarteten Lichteinfall nichts erkennen.

„Schatz!“ Von irgendwoher drang die Stimme ihres Gatten lautstark an ihr Ohr. „Schatz!“

„Was ist?“ Sie setzte sich auf, die Decke schützend an die nackte Brust gepresst, und zwang sich, die Augen offen zu halten. Langsam gewöhnte sie sich an die plötzliche Helligkeit, einzelne Schemen zeichneten sich vor ihr ab – sie war sich sicher, den Schrank zu sehen und die hässliche Lampe, die ihre Schwiegermutter ihnen vermacht hatte. Doch dann machte der Schrank einen Schritt auf sie zu.

„Komm schnell!“ Ihr Mann besaß erstaunliche Ähnlichkeit mit der scheußlichen Lampe. Eine beunruhigende Hektik lag in seiner Stimme.

Sie rieb sich die Augen, schwang die Beine über den Rand des Bettes. „Was ist?“ Sie warf einen Blick auf den Wecker. Es war kurz nach Mitternacht. Was war…?

Ein schrecklicher Gedanke kam ihr. Die kaputte Sicherung, die sie letzte Woche notdürftig mit einem Nagel repariert hatten… Sie war doch nicht etwa?

„Die Kinder!“ Im Bruchteil einer Sekunde war sie hellwach. Sie sprang auf die Füße, trat zu dem Stuhl, auf dem die Wäsche vom Vortag lag.

„Später – erst du!“ Er packte sie beim Arm. „Komm, schnell!“

Widerwillig ließ sie von der Kleidung ab, hüllte sich in die Decke und ließ sich von ihm durch das Haus ziehen, den Flur entlang, die Treppe hinab.

„Aber die Kinder…!“, wollte sie ausrufen, doch da nahm er eine fatale Wendung – weg von der Haustür, hin zu seinem Arbeitszimmer.

Ein furchtbarer Gedanke befiel sie – und bewahrheitete sich, als sie kurz darauf im kalten, flackernden Schein des Computermonitors standen.

Sein Atem ging schwer, mit zitterndem Finger wies er auf eine bestimmte Stelle auf dem Bildschirm – offenbar hatte er auf einer Art Pfadfinderwebsite gesurft. 35,167 stand da. Und daneben: You won.

„Ich habe gewonnen!“, stammelte er, „Ist das nicht großartig?“

Sie nickte und sah sich ausdruckslos nach der Schreibtischlampe um. Nein, die hatte sie selbst ausgesucht. Sie würde auf eine Gelegenheit im Schlafzimmer warten – mit der Lampe seiner Mutter.

Im Morgengrauen

Da! Schon wieder – ein leises, anhaltendes Klopfen am Dach. Ob das wieder dieser Specht war? Du spielst mit deinem Leben, Freundchen.
Mürrisch drehte sie sich um, kuschelte sich tiefer in ihr Kissen und schmiegte sich enger an ihren Mann – zumindest hatte sie das vor, denn anstatt der ersehnten Wärme war da bloß ein verwaistes, kaltes Stück Matratze. Sie robbte auf ihre warme Seite zurück und schlug dabei unwillig die Augen auf.
Wo war er bloß?
Noch fiel nur spärliches Licht durch die Vorhänge. An einem Samstag so früh aufzustehen, sah ihm nicht sehr ähnlich … Ein Blick auf die grünleuchtende Digitalanzeige ihres täglichen Folterknechtes zeigte ihr, dass es kurz vor sieben war.
Samstagmorgen, sieben Uhr.
Wieder klopfte der Specht.
Sie verzog gequält das Gesicht – nur um im nächsten Moment zu lächeln. Natürlich! Samstagmorgen um sieben! Er war zum Bäcker gefahren, um frische Brötchen zu holen! Vor ihrem inneren Auge sah sie bereits den herrlich gedeckten Küchentisch, die frischen Brötchen, das Obst, roch die selbstgemachte Marmelade, den frischgebrühten Kaffee…
Auch das anhaltende Klopfen des Spechtes konnte ihre Laune nicht mehr trüben. Sie schwang sich munter aus dem Bett, nahm frische Wäsche aus dem Schrank und stellte sich unter die Dusche. Beim Abtrocknen erkundigte sie sich erneut beim Folterknecht: Viertel nach sieben. Es war immer noch verdammt früh – andererseits hieß das auch, dass die Kinder noch schliefen. Frühstücken ohne Kampf ums Nutella, ohne ständig Brote streichen zu müssen und ohne eine auf der Suche nach Comics völlig zerfledderte Zeitung… Herrlich.
Sie stieg vorsichtig die Treppe hinunter, umschiffte erfolgreich die kaputte Stufe, die mit ihrem Knarren das ganze Haus aufgescheucht hätte, und trat in die Küche. Sie sog gierig den Duft des frischen Kaffees ein – den sie sich aber nur einbildete.
Die Küche lag einsam und verlassen vor ihr, wenn man den Stapel an dreckigem Geschirr vom Vortag ignorierte (was sie geflissentlich tat).
Wo zum Geier war er?
Sie sah sich erstaunt um, sah auf die Küchenuhr. Er müsste längst wieder da sein.
Ein schrecklicher Verdacht befiel sie.
Schnellen Schrittes verließ sie die Küche, folgte dem Flur, stieß die Tür zum Arbeitszimmer auf.
Da saß er, einsam im Schein des Computermonitors, und wandte sich erstaunt um. „Morgen, Schatz! Du schon auf?“
„Ja.“ Sie sah ihm erstaunt über die Schulter. „Was zum Teufel machst du da?“
„Ich nehme doch am Camp NaNoWriMo teil!“
Nicht schon wieder dieser bescheuerte Marathon für Hobbyschriftsteller. „Ja. Und?“
„In ein paar Tagen müssen wir bereits unsere Wordcounts validieren! Und ich hänge 15.000 Wörter hinterher!“
Sie sah ihn verständnislos an. Also keine Brötchen, kein Kaffee. Ach menno. „Ich geh wieder ins Bett.“