Alea iacta est

Fred hob widerwillig den Kopf und sah in Monas tiefe blaue Augen.
Sie wich ihm nicht aus, blinzelte nicht, sondern hielt seinem Blick ruhig und gelassen stand.
Keine Spur von Furcht lag in ihnen, keine Verzweiflung. Ihr Gesicht war gleichzeitig milchweiß und rosa, wurde eingerahmt von goldenen Locken und ihr Mund schien ihm wie die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gab, und doch – was hatte er für eine Wahl?
Mona verzog keine Miene, ließ sich nicht anmerken, ob sie wusste, was er wusste. Wie gerne hätte er geleugnet, sich verstellt. Doch er musste eisern bleiben. Die Tatsachen lagen vor ihm auf dem Tisch, es gab kein Zurück. Der Würfel war gefallen.
Mona würde ihm nicht den Gefallen tun, um Gnade zu betteln, und doch wünschte er es sich, wissend, dass auch dies ihm keinen Ausweg bieten würde.
Fred schüttelte unweigerlich den Kopf.
Mona blieb stumm, doch ihre blauen Perlenaugen folgten der Bewegung, beobachteten jede Regung, jedes Zucken seiner Mundwinkel.
Er versuchte, sich zu räuspern, doch es blieb ihm im Halse stecken. Er senkte den Blick, hob ihn wieder. Blinzelte.
Würde sie an seiner Stelle nicht genauso handeln?
Langsam hob er seine Hand, langte über den Tisch, ergriff seine Spielfigur, zog fünf Felder nach vorne und kickte Monas Figur vom Spielfeld – nur knapp 3 Felder vor dem schützenden Haus. „Ätsch, gekickt. Du musst zurück zum Anfang!“

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Kein kühles Blondes

Lange Schatten eilten den drei Männern voraus, als sie langsam in die Stadt ritten. Sie boten ein jämmerliches Bild: Zusammengesunken saßen sie auf ihren Pferden, voller Staub, die Hüte zum Schutz vor Sand und Sonne tief ins Gesicht gezogen. Jim hatte sie schon von weitem erspäht – zerlumpte Gestalten auf abgetriebenen Gäulen, das war nie ein gutes Zeichen. Besonders nicht, wenn der einzige gepflegte Teil ihres Äußeren die Revolvergürtel waren … Seufzend erhob er sich von seinem schattigen Plätzchen und trat den Männern entgegen, die sofort ihre Pferde anhielten. Der Mittlere von ihnen schob sich den Hut aus der Stirn und sah Jim lange an. „Was willst du?“
„Das wollte ich eben euch fragen.“, erwiderte Jim und ließ seine Arme lässig baumeln.
„Wir kommen aus der Wüste und haben einen langen Ritt hinter uns. Wir wollten hier ein wenig rasten.“
„Aus der Wüste?“ Jim runzelte die Stirn. Nur Verbrecher ritten freiwillig durch die Wüste… „Ihr Galgenvögel seht lieber zu, dass ihr weiterkommt. Das hier ist eine friedliche Stadt, und so soll es auch bleiben.“
„Wir haben nicht vor, hier Ärger zu machen, Sheriff.“, erwiderte der Mittlere und seine Kumpanen nickten. „Alles, was wir wollen, ist ein kühles Blondes….“
„….und danach vielleicht eine warme Blondine“, warf der Rechte ein und lachte.
Im selben Moment nahm Jim links von sich eine hastige Bewegung wahr. Seine Hände schnellten nach unten. Ein Schuss zerriss die Stille über der Stadt.

Der linke Reiter schrie getroffen auf, wankte im Sattel, legte erneut an.

Jim jagte eine zweite Kugel hinterher, und warf sich in den Staub. Keine Sekunde zu früh. Zwei Kugeln pfiffen knapp über ihn hinweg, rissen ihm den Hut vom Kopf. Hastig feuerte Jim auf das erstbeste Ziel, das er hatte: Das Pferd des Mittleren bäumte sich auf, warf seinen Reiter ab und vereitelte einen weiteren Schuss des Rechten. Fluchend rappelte Jim sich auf, rannte über die Straße und warf sich hinter einen Wassertrog. Eine Kugel ließ das Wasser meterhoch aufspritzen, eine weitere zerschlug die Scheibe des Hauses dahinter.

Ein kurzer Blick über den Rand des Wassertroges zeigte, dass die beiden Männer Schutz hinter einigen Fässern auf der anderen Straßenseite suchten. Er nutzte seine Chance und traf den einen in den Rücken. Sein Kumpan ging fluchend in Deckung, Jims nächste Kugel schlug nutzlos ein Loch in die Wand. Die Antwort ließ nicht auf sich warten, mehrere Kugeln durchlöcherten in schneller Folge den Wassertrog. Ohne zu zielen feuerte Jim eine Kugel als Antwort ab und spähte dann über die Straße. Gerade eben erhob sich auch sein Gegner hinter dem Fass, um zu zielen. Jim nutzte seine Chance und traf ihn direkt zwischen die Augen.

Schwer atmend erhob er sich aus der Schlammpfütze, die sich inzwischen hinter dem Wassertrog gebildet hatte, die Waffe hoch erhoben. Erst nachdem er sich vergewissert hatte, dass keiner der drei Männer sich mehr regte, steckte er seinen Sechsschüsser zurück ins Holster.

Ein Grinsen huschte über sein Gesicht. Was für ein Glück, dass niemand mitgezählt hatte.