Adventskalender 2014: Türchen 2

„Hallo.“ Sie gab ihm einen Kuss. „Du bist früh dran.“ Genau genommen eine ganze halbe Stunde zu früh…. Eigentlich wollte sie sich noch etwas aufbrezeln, hoffentlich sah sie nicht ganz so schrecklich aus….
„Oh.“ Er sah sie betroffen an. „Entschuldige. Ich hatte den Verkehr überschätzt.“
„Schon in Ordnung.“ Sie nahm ihm die Weinflasche ab und stellte sie auf den Couchisch. War er tatsächlich rot geworden? „Der Braten ist nur leider noch nicht fertig.“
„Das macht nichts.“ Er zog seine Jacke aus.
Laura nutzte den Moment und sauste in die Küche, um zwei Gläser zu holen. Als sie wiederkam, hatte Jochen es bereits geschafft, irgendwo im Chaos ihres Wohnzimmers den Flaschenöffner zu finden. Fachmännisch entkorkte er die Flasche und füllte ihre Gläser. „Auf ein tolles Abendessen.“ Er hob sein Glas.
„Dein Wort in Gottes Ohr…“ Sie stieß zögernd an. „Ich bin nicht gerade eine Meisterköchin…“
Jochen lachte glucksend. „Ach was. Das Essen wird wohl bei jeder Kochshow gewinnen, wenn es nur halb so appetitlich aussieht, wie die Flecken auf deinem Oberteil.“
Verflixt. Ein kurzer Blick nach unten offenbarte ihr ein Sammelsurium von Flecken verschiedenster Farben und Formen. Laura schalt sich eine dumme Kuh. Hätte sie doch nur an eine Schürze gedacht…. Sie fühlte, wie sie rot wurde.
„Das kann doch mal passieren.“ Er beugte sich vor und gab ihr einen Kuss.
Sie stellte ihr Weinglas ab und legte einen Arm um seinen Hals. Ihre Lippen tasteten vorsichtig die von Jochen ab. Kein einziges Haar kratzte sie – er hatte sich frisch rasiert…. und war das ein neues Parfüm? Sie atmete tief ein, fuhr mit den Fingern durch seine Haare, schloss die Augen. Sie spürte, wie auch er seine Arme um sie legte, spürte den warmen Druck, als er sie fest umschlang. Plötzlich fanden ihre Hände sich an seinem Hemdkragen wieder. Automatisch löste sie Knopf für Knopf. Gleichzeitig schoben sich seine Hände unter ihr Oberteil und erkundeten ihren Oberkörper.
„Laura…“
Immer schneller huschten ihre Finger über die Knöpfe, schälten ihn aus dem Hemd und huschten immer weiter nach unten.
„Ist das nicht…“, wollte er einwenden, aber ihre Lippen versiegelten die seinen, brachten ihn zum Schweigen.
Schon hatte sie die Hürde der Gürtelschnalle umwunden, tastete blind nach Knopf und Reißverschluss. Sie hörte Jochen Keuchen, spürte, wie sich nicht nur die Haare an seinem Körper aufrichteten….
Er stieß sie von sich, fixierte einen Punkt hinter ihr. „Da kommt Rauch aus deiner Küche.“

Adventskalender 2014: Türchen 1

Besorgt spähte Laura durch das kleine Guckloch ihres Backofens, konnte aber so gut wie nichts erkennen. Aufgrund der verdunsteten Flüssigkeit darin war die Scheibe beschlagen – oder aber es lag daran, dass sie ihr Backrohr schon viel zu lange nicht mehr geputzt hatte … So schnell ihr dieser Gedanke gekommen war, so schnell schob sie ihn wieder beiseite und warf einen nervösen Blick auf ihre Armbanduhr.
Es war Viertel vor Sieben – sie hatte noch endlos lange Zeit, ehe er kam. Sie ließ den Blick durch ihre kleine Küche schweifen: Von dem Chaos, das eben noch geherrscht hatte, war kaum noch etwas zu entdecken: Das Geschirr war abgewaschen und verräumt, der Salat wartete frisch gewaschen in der Schüssel auf seine Marinade und der kleine Blumenstrauß, den sie auf den Tisch gestellt hatte, sah nicht einmal so mickrig und einsam aus, wie Laura befürchtet hatte.
Sie atmete tief durch, trommelte unschlüssig mit den Händen auf ihren Oberschenkeln herum und kontrollierte die Temperatur ihres Backofens zum vierhunderneunundzwanzgisten Mal: Nach wie vor unverändert. Vorsichtig öffnete sie die Ofentür, wich vor der entweichenden heißen Luft zurück und spähte hinein. Sie übergoss den Braten erneut mit Saft, prüfte seine Konsistenz mit der Gabel und machte den Ofen wieder zu.
Sie erhob sich, sah sich erneut unschlüssig in der Küche um. Ein weiterer nervöser Blick auf die Armbanduhr offenbarte eine immer noch endlose Zeitspanne bis zu Jochens Ankunft. Um sich zu beschäftigen, rückte sie die Tischgedecke zu Recht und richtete Messer und Gabel auf den Zentimeter genau akribisch aus. Dann holte sie zwei kleine Kerzen hervor, drapierte sie links und rechts neben dem Blumenstrauß. Sah gar nicht so schlecht aus…. Sie zündete sie probeweise an, löschte das Licht. Ein Candleligt-Diner, wie es im Lehrbuch stand… Sie grinste – und zuckte erschrocken zusammen, als die Klingel ging.
Mit klopfendem Herzen sauste sie in die Diele, betätigte den elektronischen Türöffner und konsultierte sicherheitshalber die Uhr ihres Smartphones: Die Uhrzeit stimmte. Er war zu früh.
Erneutes Klingeln. Sie öffnete die Tür. Vor ihr stand Jochen. In der Hand hielt er eine Flasche Wein. „Hallo.“ Er lächelte verlegen.