Authorgaze

Mein Lektor meint, ich komme immer vom Wesentlichen ab …

 

I.

Zerknirscht stieg Erna aus dem Auto. Ihr Bruder war gestorben. Schwer ging sie den Weg durch den Garten hinauf und hatte heute so gar keinen Blick für ihre hübsche Dekoration, für die kleinen frechen Gartenzwerge, weder den mit Sonnenbrille und Hawaiihemd, noch den anderen, der in der Hängematte lag und Cocktails trank. Auch nicht für die strahlend gelben Sonnenblumen oder den Vogelschwarm, der sich bei ihrer Ankunft davon erhob und in einen nahen Baum flüchtete, während eine kleine Kohlmeise von alledem nichts mitbekam und weiter die Kerne plünderte.
Erna bemerkte auch nicht, dass der kleine Piepmatz seinem Namen keine Ehre machte, denn er war mehr gelb als schwarz. Zudem war er kurz davor, Opfer von Fridolin, der Nachbarskatze zu werden, die sich wie ein Hai durch das Tulpenbeet schob, Zentimeter für Zentimeter näher an ihrem künftigen Mittagssnack …

 

II.

„Oh, Boris“, hauchte Jane atemlos, als der blonde Hüne sie sanft ins Heu drückte. Grashalme strichen über jeden Quadratzentimeter ihrer Haut, ein wohliger Schauer überlief sie – sie spürte Boris‘ heißen Atem auf ihrer Haut, fühlte seine Erregung, sah aus den Augenwinkeln eine kleine Maus, die gerade über den Dachbalken des alten Heuschobers flitzte, nun aber innehielt und schnuppernd mit bebenden Schnurrhaaren über die Kante blickte. Schwarze Knopfaugen, grau-braun umrahmt. Ihre Blicke kreuzten sich und …

 

III.

„Das Spiel ist aus, Schurke!“ Gekonnt sprang Hero-Man vom Dach und landete genau dort, wo er wollte: Zwischen Dr. Dementos und dem Ausgang. „Ergib dich!“
„Ah, Hero-Man, du kommst gerade recht. Ich habe dich schon erwartet.“ Dr. Dementos‘ Hand verschwand in seinem Kittel und förderte eine Art Stab zu Tage. „Dies ist meine neueste Erfindung, der Aheroisator. Willst du wissen, wie er funktioniert?“ Dementos schnalzte mit der Zunge, mit flinken Fingern legte er an dem Stab einen Schalter um und richtete ihn auf Hero-Man.
Die Spitze begann blau zu glühen, Blitze zuckten durch die Gasse, verströmten eine düstere Atmosphäre, die so gar nicht zu dem blauen Himmel ohne Wolken passen wollte. Viele Familien verwendeten diesen schönen Sonntag für Ausflüge ins Grüne, in den Park oder an den See, um die fröhlichen gelben Enten zu füttern und über ihre waghalsigen Tauchmanöver zu staunen.
Auch Hero-Man wollte heute eigentlich dorthin – er erinnerte sich noch gut, das letzte Mal mit Mary-Kate im Park … Sie hatten sich Eis geholt und Mary-Kate trug dieses dünne weiße Top und dazu die rote Handtasche, deren Schulterband sich tief in ihre Kleidung einschnitt und ihre Kurven betonte, die Handtasche mit dem praktischen Schnallenverschluss, leicht und schnell zu öffnen, trotzdem sicher vor Erschütterungen. Dazu ein wahres Stauwunder, perfekt ausgesucht von ihrer Großmutter als Geschenk zu …

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Willkommen auf dem Tintenfleck

Oh, hallo. Entschuldigung, ich habe Sie da drüben gar nicht gesehen. Was sagen Sie da? Sie sind ein Blogbesucher? Ein Leser? Ach herrje … nein, verstehen Sie mich nicht falsch. Das ist großartig. Wir haben gerne Leser hier, nur habe ich jetzt gar nicht mit Besuch gerechnet. Entschuldigen Sie bitte, dass es hier etwas unaufgeräumt ist. Die Sidebar da drüben sollten wir eigentlich längst entrümpeln, aber es ist heutzutage so schwer, einen guten Webdesigner zu finden … unserer hat uns zwar gestern bereits einen Kostenvoranschlag geschickt, aber vor Juni tut er keinen Mausklick. Aber ich schweife ab … Großartig, dass Sie hier sind.
Was meinen Sie? Das sagte ich schon?
Ich habs! Ich gebe ihnen eine kleine Führung! Ignorieren Sie einfach das Durcheinander hier, sehen Sie mal nach unten, da wo „Teilen“ steht. Das sind die Sharing-Schaltflächen. Die sollen ganz praktisch sein, damit kann man seinen liebsten Text direkt Freunden zeigen. Fragen Sie mich aber nicht, wie das funktioniert, ich habe es nie ausprobiert.
Ja, das wars auch sch… – Oh! Sie haben Glück! Sehen Sie den schrulligen Typen da drüben, den mit der Brille, der eine dampfende Darth-Vader-Tasse vor sich herträgt und gerade den letzten Keks aus der Dose im Besprechungsraum stibitzt?
Das ist der Autor! Gerade jetzt setzt er sich an den PC, sehen Sie? Gleich wird er uns einen seiner tollen Texte schreiben! Schreiben? Nein, veröffentlichen. Er hat ihn sicher schon fertig, ein genialer Kopf wie der.
Was macht er? Ah, er öffnet das E-Mail-Programm. Klar, das Feedback seiner Lektorin anschauen. Dem Text den letzten Schliff geben, die Worte noch einmal richtig aufpolieren, den Figuren Leben einhauchen und ihn dann sofort online posten.
Worum es wohl gehen wird? Ob er sich wieder mit den Musen irgendwo in der Realität verliert? Oder die epische Queste um Aaron von Ostwald fortsetzt? Wie? Die kennen Sie noch gar nicht? Da haben Sie aber was verpasst. Aber unter uns, mir gefallen die Texte um Tim den Troll ja viel besser …
Oh, er hat seine Brille gerade gerückt und einen Notizzettel gezückt! Da! Der nachdenkliche Blick. Das Spielen mit dem Kugelschreiber. Das Stirnrunzeln. Das Zupfen am Bart, das Nippen am Kaffee, das Fingerknacken! Das ist es! Man sieht die Inspiration richtig durch den Raum schreiten, kann den Kuss der Muse völlig spüren!
Dieser Mann, meine Damen und Herren, schreibt jetzt!
Aber … was tut er denn? Er springt auf, rauft sich die Haare? Stürzt den Kaffee hinunter? Zerbricht die Tasse!? Er zerknüllt den Zettel! Wirft ihn weg!!! Was …? „So kann ich nicht arbeiten!“, ruft er aus. „Was für ein Feedback soll das sein: ‚Njoa‘. Njoa! Der geb ich gleich Njoa!“
Herrje, er stürmt davon. Oh, die Tür ist jetzt aber zu.
Ach herrje.
Es tut mir wirklich leid, dass sie Zeuge dieser Szene werden mussten. Entschuldigen Sie bitte vielmals. Ja, heute wird es wohl doch keinen Text geben.
Tut mir wirklich leid. Aber vielleicht möchten Sie unseren Autoren etwas aufmuntern? Liken Sie doch irgendwas, seine verwaiste Facebook-Seite oder so …