Haiku XIV – Mondfinsternis

Nachthimmelsschauspiel
zu den Schatten und zurück
blutrot und verpasst

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In einer perfekten Nacht

In einer perfekten Nacht ist es Sommer und du bist bei mir. Ich wache auf, blinzle den Schlaf aus meinen Augen, versuche die Dunkelheit zu durchdringen. Ein Traum hat mich geweckt, ein Alb mich gepiesackt. Ich wende mich zu dir um, bin in Versuchung, dich zu wecken, dir davon zu erzählen. Doch ich kann mich nicht mehr erinnern.
Ich lausche auf mein Herz, das Klopfen wird langsamer, beruhigt durch deinen tiefen Atem. Ich spüre deine Wärme, weiß, du bist bei mir. Ich fühle mich sicher, geborgen.
Langsam wird mir die drückende Schwüle bewusst. Das Fenster ist offen, es bringt keine Linderung.
Von draußen höre ich die Grillen zirpen, sie geben ihr nächtliches Konzert, vermischt mit dem leisen Gurgeln eines nahen Kanalschachts.
Ich setze mich auf, sehe, dass deine Decke bis zur Hüfte hinuntergerutscht ist. Die Schwüle. Du hast dich selbst im Schlaf befreit und ich muss unwillkürlich lächeln. Nie kann ich dich schützend zu- oder aufdecken, stets kommst du mir zuvor.
In einer perfekten Nacht werden wir von der drückenden Luftfeuchtigkeit erlöst. Petrus hat ein Einsehen, Regentropfen bahnen sich ihren Weg zur Erde. Die Grillen werden von der Bühne verjagt, ein Trommelsolo auf dem Dach unseres Hauses beginnt. Das Gurgeln des Kanals schwillt an und der Schreck fährt mir durch alle Glieder, als es bedrohlich donnert, erst fern, dann ganz nah. Gänsehaut überzieht meinen Körper, als es schlagartig kühler wird. Aber du, du schläfst einfach weiter.
Vorsichtig schäle ich mich aus der Decke und taste mich zum Bettrand, denn in einer Nacht wie dieser überfällt mich die Inspiration. Ich erhebe mich, versuche nicht über unsere Kleider auf dem Boden zu fallen, hole mir Stift und Papier. Ich schleiche zum Fenster und ziehe die Vorhänge zurück, denn ich will kein Licht machen, um dich nicht zu wecken. Vetter Mond steht am Himmel, hell und voll, er allein sieht mir zu und schenkt mir Licht. Ich beginne zu schreiben, langsam, zögernd, stockend. Dann immer schneller, im Rhythmus des Trommelns, die Idee ist gereift, die Worte fließen.
In einer perfekten Nacht schreibe ich Zeilen wie diese. Und ich mache nicht den Fehler, dass ich bei einem Gewitter den Mond nicht sehen kann.